Monthly Archive for November, 2007

EU-Ratspräsidentschaft: Deutschland sagt Slowenien Unterstützung zu

30.11.2007

Steinmeier und der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel, 30.11.2007, Berlin

Die kommende slowenische EU-Ratspräsidentschaft und der Status des Kosovo: Dies waren die Schwerpunkte des Gesprächs zwischen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und dem slowenischen Außenminister Dimitrij Rupel. Steinmeier bedankte sich für die slowenische Unterstützung während der deutschen Ratspräsidentschaft.

Steinmeier und Rupel betonten den Wert der Dreier-Präsidentschaft zwischen Deutschland, Portugal und Slowenien. Damit sei es gelungen, Projekte über die halbjährlichen Wechsel der Präsidentschaft herüberzuleiten und damit erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

In der Dreier-Präsidentschaft legten Deutschland, Portugal und Slowenien im Dezember 2006 ein gemeinsames Programm für die kommenden 18 Monate vor. Ziel ist, die Kontinuität der Ratsarbeit zu stärken und den Initiativen, die im Rat behandelt werden, mehr Nachhaltigkeit zu verleihen. Zentrale Themen des Trioprogramms sind die Fortsetzung des Reform- und Verfassungsprozess der EU, die Umsetzung der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung sowie die weitere Vollendung des Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Nicht zuletzt gilt es auch, die Kooperation im Bereich des gemeinsamen außenpolitischen Handelns der Europäischen Union zu intensivieren.

“Ich freue mich, dass wir gemeinsam am Reformvertrag arbeiten konnten,” unterstrich der Minister. Gleichzeitig mahnte er, dass das Projekt noch nicht zu Ende sei. Es komme jetzt ein Jahr des Ratifizierungsprozesses auf die EU zu. Deutschland werde den Ratifizierungsprozess sofort nach der Unterzeichnung des Vertrages beginnen. Slowenien habe die Aufgabe, die anderen europäischen Partner zur Ratifizierung “zu treiben”.

Klimaschutz und Außenpolitik

Die slowenische Ratspräsidentschaft wird auch die Umsetzung des unter deutscher Präsidentschaft verabschiedeten Aktionsplans für die europäische Energie- und Klimapolitik angehen. Rupel bezeichnete dies als ein “hartes Stück Arbeit”. Gefordert seien konkrete Ergebnisse.

Steinmeier ergänzte die Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik. Dazu gehöre der Europäische Auswärtige Dienst, der dem Hohen Repräsentanten zur Seite stehen wird.

Eskalation im Kosovo vermeiden

Steinmeier und Rupel betonten, wie wichtig eine einheitliche europäische Position bei den Fragen um den zukünftigen Status des Kosovo ist. Steinmeier unterstrich zugleich, dass man sich nichts vormache: Es sei kaum noch damit zu rechnen, dass es zu einer vereinbarten Lösung komme.

OSZE zu einem Modell für die Lösung von Konflikten machen

29.11.2007

Plenarsaal beim OSZE-Außenministertreffen

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) weiterhin gefordert ist: Bei der Stärkung von Demokratie und Rechtsstaat, bei Frühwarnung, Prävention und Lösung von Konflikten, bei der Krisenbewältigung und der Rüstungskontrolle. Dies unterstrich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beim Treffen der OSZE-Außenminister in Madrid. Die OSZE könne in anderen Teilen der Welt zu einem Modell für die Lösung von Konflikten werden.

Die Außenminister der OSZE nahmen die Gelegenheit wahr, einige der drängendsten politischen Fragen der internationalen Politik zu erörtern. Die EU und USA appellierten an Russland, den Vertrag zur Begrenzung konventioneller Streitkräfte nicht auszusetzen.  Steinmeier warnte davor, den KSE-Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa zum Scheitern zu bringen: “Lasst uns an diesem Beispiel – am Umgang mit dem KSE-Vertrag – zeigen, dass die OSZE lebt!”

KSE-Vertrag erhalten

Der Minister mahnte, das weltweit einmalige und bewährte Netz konventioneller Rüstungskontrollmechanismen der OSZE müsse erhalten und weiterentwickelt werden. Gemeinsames Ziel müsse es bleiben, das sogenannte KSE-Regime als Stabilitätsanker zu erhalten.

Aktuell ist das gesamte KSE-Vertragsregime in seinem Bestand gefährdet, da der russische Präsident Wladimir Putin die einseitige Suspendierung des KSE-Vertrags zum 12. Dezember 2007 angekündigt hat – es sei denn, eine Reihe russischer Forderungen würden erfüllt.

Der KSE-Vertrag wurde 1990 von den Mitgliedern der NATO und des Warschauer Pakts unterzeichnet und ist seit 1992 in Kraft. Er begrenzt insgesamt fünf Kategorien konventioneller Waffen und schafft ein umfassendes Melde-, Informations- und Verifikationssystem.

Um den Vertrag an die Realität nach Ende des Ost-West-Konflikts anzupassen, wurde ein Anpassungsübereinkommen ausgehandelt und 1999 in Istanbul unterzeichnet. Vor einer Ratifizierung dieses Übereinkommens steht aus Sicht der NATO-Mitglieder noch die Erfüllung einiger russischer Verpflichtungen aus. Dazu gehört insbesondere der Abzug von Munitionsbeständen und Militär aus Moldau.

Unterstützung für Afghanistan

Die OSZE stärkt künftig auch das Grenzmanagement  in Zentralasien. Damit will sie einen Beitrag zur regionalen Kooperation in der Region leisten, aber auch zur Schaffung von Sicherheit und Stabilität in ihrem Partnerland Afghanistan. Darüber hinaus plädierten die Minister dafür, dass die OSZE ihr Engagement im Kosovo über das Ende des Jahres hinaus verlängern solle. Die spanische OSZE-Präsidentschaft rief zudem zu “mehr Ehrgeiz” im Kampf gegen den Terror auf.  

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ging 1995 aus der 1975 mit der Schlussakte von Helsinki zu Ende gegangenen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hervor. Die OSZE ist mit 56 Teilnehmern die einzige sicherheitspolitische Organisation, in der alle europäischen Länder, die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die USA und Kanada vertreten sind (56. Teilnehmerstaat wurde am 22.06.2006 Montenegro).

Rechtsstaatlichkeit – Lebenselixier für moderne, offene Gesellschaften

28.11.2007

G8-Expertenkonferenz zur Rechtsstaatlichkeit

Rechtsstaatlichkeit ist eine “Kernvoraussetzung für Vertrauen, für Sicherheit, für Frieden und erfolgreiches Wirtschaften,” so Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei einer Konferenz von Rechtsstaatsexperten im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft. ”Für mich ist Rechtsstaatlichkeit die Grundvoraussetzung für eine Gesellschaft, in der die Menschen einander frei und selbstbewusst begegnen.”

Die Alternative zur Rechtsstaatlichkeit sei in aller Regel Gewalt, so der Minister. Sie könne sich auf ganz unterschiedliche Weise äußern – “nicht nur als körperliche Gewalt, sondern auch als das leise, zersetzende Gift der Einschüchterung und Kontrolle.” Rechtsstaatlichkeit sei Einsatz für Menschenrechte, der in praktisches Handeln umgemünzt wird, so Steinmeier. Deshalb seien Menschen- und Freiheitsrechte die Basis für einen funktionierenden Rechtsstaat.

“Wer das Recht des Stärkeren nicht akzeptieren will – in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in seinem ganz persönlichen Umfeld – der braucht die Stärkung des Rechts.”

Rechtsstaatlichkeit als Standortfaktor

Die Förderung sei im Übrigen durchaus im ökonomischen Interesse von Staaten: ”Wer Kapital anlocken will, muss attraktive Bedingungen bieten, und dazu gehören nun einmal die Gleichheit vor dem Gesetz, die Garantie des Rechtsweges und die Verlässlichkeit von Entscheidungen.”

Der Minister wies auf beträchtliche geographische, historische und kulturelle Unterschiede hin. Wichtig sei aber, “dass wir uns in den Kernfragen einig sind: Rechtsgebundenheit aller staatlichen Gewalt, Gleichheit vor dem Gesetz, Rechtssicherheit, prozedurale Verlässlichkeit, gleicher und offener Zugang zum Rechtssystem”.

Konkrete Unterstützungsmöglichkeiten

Der Minister zeigte an konkreten Beispielen, wie Staaten, die noch Verbesserungsbedarf hätten, unterstützt werden könnten: Fort- und Weiterbildungmaßnahmen für Richter und Rechtsanwälte, Unterstützung für Kommunalverwaltungen, Zusammenarbeit der Zollbehörden, Dialog zwischen Parlamentariern. ”Nehmen wir die Polizeiausbildung als Beispiel, wie wir sie in Afghanistan und auf dem Balkan betreiben. Das ist konkrete Hilfe zur Selbsthilfe in gefährdeten Gesellschaften. Ich werbe dafür, diese Ansätze noch stärker in internationalen Kriseneinsätzen zu berücksichtigen.”

Mehr zum Hintergrund der Konferenz