23.01.2008

Premierminister Fayyad und Außenminister Steinmeier (© dpa-Report)
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der palästinensische Premierminister Salam Fayyad haben die Initiative “Zukunft für Palästina” gestartet. Die Initiative unterstützt den Friedensprozess im Nahen Osten. Sie „führt der Bevölkerung in Palästina vor Augen, dass wir uns auf einem Weg der Verbesserung der Lebensbedingungen befinden“, so Steinmeier. Initiiert mit Mitteln des Auswärtigen Amtes, hat die Initiative bereits Unterstützung aus der deutschen Wirtschaft, von Verbänden und Stiftungen erfahren.
Schwerpunkt des Gesprächs von Steinmeier und Fayyad war der Stand des Friedensprozesses im Nahen Osten. „Jeder weiß, wie viele Hindernisse vor einem hoffentlich glücklichen Ende des Friedensprozesses noch liegen. Ich hoffe aber, dass die Beteiligten auch bei schwierigen Ereignissen den Weg in die Gespräche zurückfinden, so dass bis zum Jahresende die Weichen für einen palästinensischen Staat gestellt werden können“, fasste Steinmeier zusammen.

“Zukunft für Palästina” (© dpa-Report)
Initiative “Zukunft für Palästina” gestartet
Das Treffen bildete den Auftakt zur neuen Initiative “Zukunft für Palästina”. “Zukunft für Palästina” sind relativ kleine, schnell umsetzbare und sichtbare Projekte, die der palästinensischen Bevölkerung bereits in den nächsten Monaten unmittelbar zu Gute kommen. Zeithorizont für alle Aktivitäten ist das Ende des Jahres 2008 – sie müssen also innerhalb weniger Monate geplant und umgesetzt werden. „Deutschland unterstützt den Friedensprozess politisch: Internationale Verhandlungen sind wichtig, Geberkonferenzen sind wichtig. Wir brauchen jetzt aber auch Projekte vor Ort, die ganz schnell realisiert werden können”, so Steinmeier.
Die sechs Projekte der ersten Phase haben ein Volumen von jeweils rund 100.000 Euro, sind von palästinensicher Seite vorgeschlagen und vom Auswärtigen Amt geprüft worden. Für die Umsetzung konnte die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit gewonnen werden, die Finanzierung dieser ersten Projekte erfolgt aus Mitteln des Auswärtigen Amts: Es handelt sich dabei um den Aus- oder Umbau von vier Schulen in der Westbank, den Bau eines Kindergartens und der Errichtung eines Gemeindezentrums. Die palästinensische Jugend – so die Intention der palästinensischen Partner – muss die Chance bekommen, sich auf den eigenen Erfolg in Beruf und Gesellschaft vorzubereiten.

Vorstellung der Initiative in Berlin (© AA)
Unterstützung von privaten Sponsoren
Aus der deutschen Wirtschaft, Verbänden und Stiftungen hat die Initiative bereits Unterstützung erfahren. Beispielhaft können zusätzlich zu den oben genannten die folgenden drei Projekte genannt werden:
Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) – vertreten durch seinen Präsidenten, Anton F. Börner – hat im Rahmen seiner Export-Initiative in fünf Bereichen exportfähige Produkte der palästinensischen Gebiete identifiziert: Kunsthandwerk, Textilien, Marmor/Steine, Agrarprodukte, Software. Die deutsche Wirtschaft ist bereit, den Export dieser Produkte als Beitrag zur Stabilisierung der palästinensischen Volkswirtschaft zu unterstützen. Aktuell arbeitet der BGA mit verschiedenen Akteuren in der Region zusammen, um Technologiepartnerschaften in den Bereichen Telekommunikation und IT aufzubauen. Weiterhin hat der BGA bereits 2007 begonnen, mit palästinensischen Lebensmittelherstellern zusamenzuarbeiten. Eines der ersten neuen Projekte soll nach einem sehr erfolgreichen Pilotprojekt im Dezember 2007 der systematische Ausbau der Vermarktung von palästinensischem Kunsthandwerk u.a. auf deutschen Weihnachtsmärkten sein, um das lokale Handwerk in Bethlehem zu fördern.
Die Software AG wird sich im Bildungsbereich beteiligen: “Ich bin froh, dass auch die Software AG Ihren Beitrag zum Projekt “Zukunft für Palästina” leisten kann. Wir werden im Rahmen unseres University Relations Programms palästinensische Universitäten unterstützen um Lehre und Forschung im Software Bereich weiterzuentwickeln. IT-Technologien sind Wachstums- und Innovationstreiber und die Ausbildung ist somit Grundlage für Wirtschaftswachstum. So lassen sich für die Autonomiegebiete Zukunftsperspektiven schaffen, die langfristig auch zu mehr Stabilität in der Region führen können.”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Software AG, Karl-Heinz Streibich.
Die Daimler AG betreibt an einer Reihe von Standorten im Nahen und Mittleren Osten Lehrwerkstätten zur Ausbildung für Kfz-Berufe ( Automotive Academy-Projekte). Im Rahmen der Initiative Zukunft für Palästina prüft Daimler derzeit, wie dieses Netzwerk von Ausbildungsprojekten verstärkt zur beruflichen Qulifizierung junger Palästinenser ausgebaut werden kann. Neben der Nutzung der soeben in Beit Sahour (3km von Bethlehem entfernt) eröffneten Ausbildungsstätte wird dazu die Einrichtung weiterer Automotive Academy-Projekte etwa in Ramallah, Nablus, Jenin oder Tulkarem in Angriff genommen.
Auch das Hasso-Plattner-Institut (Direktor Prof. Christoph Meinel), die Körber-Stiftung (Vorstandsvorsitzender Christian Wriedt) und die Gerda-Henkel-Stiftung (Vorstandsvorsitzender Michael Hannsler) waren bei der Vorstellung der Initiative vertreten und werden sich mit eigenen Projekten an “Zukunft für Palästina” beteiligen.