29.02.2008

Brigadegeneral Jürgen Scholz (EUPOL Afghanistan)
Jürgen Scholz leitet die Polizeimission der EU “EUPOL Afghanistan”. Im Gespräch mit www.diplo.de äußert er sich zu seinen Aufgaben, zur afghanischen Polizei und zur Rolle Deutschlands beim Polizeiaufbau. Noch hat die afghanische Polizei erhebliche Defizite in Ausbildung und Ausstattung. Ziel der EU-Mission ist es, die afghanische Regierung beim Aufbau einer Polizei zu unterstützen, die das Vertrauen der Bürger besitzt und rechtsstaatlichen Prinzipien folgt.
Herr Scholz, Sie sind der Chef der europäischen Polizeimission Afghanistan. Was kann die EU, was andere nicht können?
Der Vorteil der EU-Mission EUPOL Afghanistan liegt darin, dass wir unseren Partnern das Wissen, die Modelle, den Input aus den Polizeien von 20 verschiedenen Nationen geben können. Das ist die große Stärke eines europäischen Ansatzes.
EUPOL ist übrigens nicht primär eine Trainingsmission, wie es häufig dargestellt wird. Sondern EUPOL hat die Aufgabe, die Polizeireform im Innenministerium und auf den Kommandostellen in den Regionen und Provinzen zu fördern – damit die Polizei effektiver wird, damit sie schlagkräftiger wird und damit sie rechtsstaatliche Prinzipien deutlicher beachtet. Das macht sie durch Beratung und Anleitung.
Was ist Ihre Aufgabe als Missionschef?
Meine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass das Wissen und die Expertise meiner Kollegen zielgerichtet eingesetzt werden. Und dass unsere Kollegen die richtige politische Unterstützung für ihre Arbeit haben. Außerdem muss ich den engen Kontakt zu den anderen Partnern im Polizeiaufbau halten. EUPOL hat nämlich die Aufgabe übernommen, den internationalen Ansatz zu unterstützen und wesentlich zu koordinieren.
Haupt-Ansprechpartner für die Arbeit der Mission sind der afghanische Innenminister, sowie der Justizminister und der Minister des Auswärtigen. Daneben arbeiten wir mit der Führungsspitze der Polizei im Innenministerium, in den Regionen und den Provinzen. Was mich ganz besonders freut: Auch Staatspräsident Karsai und der Nationale Sicherheitsberater interessieren sich sehr für den Fortgang der Polizeireform.

Innenminister Moqbel (Harald Ziaja/EUPOL-Afghanistan)
Wie sieht die tägliche Arbeit eines Polizisten bei EUPOL aus?
Das Leben und Arbeiten bei EUPOL wird natürlich stark von der Sicherheitslage beeinflusst. Die EUPOL Mitarbeiter leben in geschlossenen und gesicherten Liegenschaften, sie bewegen sich in geschützten Fahrzeugen zu ihren Ansprechpartnern.
Wichtig ist der ständige und direkte Kontakt und Dialog mit den Führungskräften der afghanischen Polizei. EUPOL Mitarbeiter treffen sich regelmäßig mit ihren afghanischen Ansprechpartnern. Es gibt einen “Zielplan”, der im wesentlichen die Projekte enthält, die die Reform voranbringen sollen. Die Mitarbeiter von EUPOL besprechen mit ihren Partnern wie diese Ziele erreicht werden können und geben konkreten Rat bei der Umsetzung der Reformen.
Welche Rolle hat Deutschland in der europäischen Mission?
Deutschland hat in der Mission eine ganz wichtige Rolle. Zum einen ist das deutsche Kontingent in der Mission das größte. Zum anderen ist den Afghanen aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afghanistan bei der Entwicklung der Polizei sehr an dem deutschen Wissen gelegen. Deshalb trägt das deutschen Kontingent wesentlich dazu bei, den Einfluss von EUPOL Afghanistan zu stärken.
Es ist außerdem sehr erfreulich, dass Deutschland sich entschlossen hat, die Vielzahl seiner bilateralen Projekte, die es weiterhin in Afghanistan durchführt – das ist im Wesentlichen Ausstattungs- und Ausbildungshilfe – eng mit EUPOL abzustimmen und die Mission damit zu unterstützen. Diese Entscheidung stärkt massiv den Einfluss und das Ansehen von EUPOL.
Man hört viel Negatives über die afghanische Polizei. Was kann denn die Polizei bereits?
Es gibt sehr wohl gut ausgebildete und kenntnisreiche afghanische Polizisten, denen wir nur noch Spezialwissen vermitteln. Es gibt sehr gute und leistungsfähige Einheiten in der afghanischen Kriminalpolizei; das Gleiche gilt für die Grenzpolizei; und auch bei der Ausbildung in der nationalen Trainingsakademie gibt es sehr leistungsfähige Einheiten. Wir freuen uns, dass wir diesen Einheiten weitere Unterstützung geben können. Wir freuen uns ebenso, dass wir in anderen Bereichen noch wirkliche Basisarbeit leisten können.




