Monthly Archive for Mai, 2008

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“Berliner Konferenz zur Unterstützung der palästinensischen zivilen Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit” am 24. Juni 2008 in Berlin

27.05.2008

Deutschland unterstützt den Friedensprozess im Nahen Osten. Neben dem wirtschaftlichen Aufbau steht insbesondere der Aufbau palästinensischer staatlicher Strukturen im Mittelpunkt. Zur “Berliner Konferenz zur Unterstützung der palästinensischen zivilen Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit” am 24. Juni lud Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mehr als vierzig seiner Amtskollegen ein.

Einladungen gingen an alle wichtigen Akteure im Nahost-Friedensprozess. Neben der palästinensischen Autonomiebehörde und Israel sind dies die Mitglieder des Nahost-Quartetts, die Vereinten Nationen, die EU-Mitgliedsstaaten, die Arabische Liga, Japan, Kanada, aber auch andere Staaten aus der Region.

Worum geht es bei der “Berliner Konferenz”?

Die internationale Staatengemeinschaft gibt mit der Konferenz ein starkes Signal für den Aufbau eines funktionierenden und für die eigenen Bürger sichtbaren palästinensischen Staates. Denn: Eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konflikts kann es nur geben, wenn Israel und Palästina als zwei unabhängige Staaten in Frieden miteinander leben.

Ein Staat braucht nicht nur ein Staatsgebiet – er braucht insbesondere funktionierende Institutionen. Zu diesen gehören neben einem Parlament und einer Regierung auch gut ausgestattete Sicherheitsbehörden sowie eine unabhängige Justiz.

Mit diesen Institutionen kann ein Staat Sicherheit und Ordnung durchsetzen – Grundvoraussetzungen für weitere Entwicklungen, sowohl politisch, aber auch wirtschaftlich.

Besonders gilt dies für die palästinensischen Gebiete: Nur wenn es dort gelingt, auch die legitimen israelischen Sicherheitsinteressen zu gewährleisten, kann eine Staatengründung in greifbare Nähe rücken. Und: Mehr Sicherheit für die Palästinenser bedeutet auch mehr Sicherheit für Israel.

Mit der “Berliner Konferenz” werden die internationalen Bemühungen zur Unterstützung des palästinensischen Sicherheitssektors gebündelt und verstärkt.

Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der palästinensischen Regierung – die palästinensische Autonomiebehörde hat bereits eine Reihe von eigenen Vorschlägen und Projekten in den Vorbereitungsprozess der Konferenz eingebracht.

Der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (dpa)

Mahmud Abbas und Ehud Olmert in Annapolis (© dpa – Report)

Wie kam es zur “Berliner Konferenz”?

Seit Mitte 2007 gab es verstärkte Bemühungen, wieder Bewegung in den Nahost-Friedensprozess zu bringen. Insbesondere die Anstrengungen der US-Regierung zielten auf ein direktes Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern.

Ergebnis der Verhandlungen war die Vereinbarung, die im November 2007 in Annapolis/USA getroffen wurde: Sie hat das friedliche Nebeneinander von Israel und Palästina in zwei unabhängigen Staaten zum Ziel. 

Auch die EU unterstützt und fördert den Verhandlungsprozess zwischen beiden Seiten. Bereits vor der Annapolis-Konferenz brachte die EU eine Aktionsstrategie für den Nahen Osten auf den Weg. 

Steinmeier hatte den EU-Außenministern den Vorschlag eines Aktionsplans für den Nahen Osten unterbreitet. Der Rat der Außenminister nahm daraufhin eine Aktionsstrategie an. Sie bildet die Grundlage für die weitere Arbeit der EU, kann aber unter Berücksichtigung der Ergeb­nisse des Treffens in Annapolis weiterentwickelt werden.

Die “Berliner Konferenz” steht zudem in einer Reihe mit anderen internationalen Treffen, die die Stärkung der palästinensischen Strukturen zum Ziel hatten. Dazu gehört neben einer Geberkonferenz in Paris im Dezember 2007 auch eine Investorenkonferenz in Bethlehem Mitte Mai 2008.

Gesunde Wirtschaft in einem starken Staat

Für die Bundesregierung war von vornherein klar: Der Wille zum Frieden innerhalb der palästinensischen Bevölkerung muss durch die Stärkung der palästinensischen Wirtschaftskraft gestützt werden. Und: Funktionierende staatliche Strukturen sowie Rechtssicherheit für Investoren sind Grundvoraussetzungen für jede wirtschaftliche Entwicklung.

Bis jetzt standen im Mittelpunkt des deutschen Engagements konkrete Hilfen, die schnell den palästinensischen Sicherheitsapparat stärken. Deutschland lieferte daher Funkgeräte und Polizeiautos.

Die “Berliner Konferenz” geht darüber hinaus: Sie will konkrete Schritte in größerem Maßstab organisieren.

Übergabe der Polizeieinsatzwagen (picture-alliance/dpa)

Europäisches Engagement

Die EU setzt sich auf dem Gebiet des Sicherheitsaufbaus seit langem in den palästinensischen Gebieten ein. Sie unterstützt so die Rahmenbedingungen für weitere Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien. 

Mit der Polizeimission EUPOL-COPPS etwa stärkt die EU unter deutscher Beteiligung die Einsatzfähigkeit der palästinensischen zivilen Polizei.

Informationen zu EUPOL-COPPS bei der Bundespolizei

Konkrete Projekte voranbringen

Klar ist auch: die Berliner Konferenz ist keine Folgekonferenz der Annapolis-Konferenz. Sie begleitet vielmehr den Nahost-Friedensprozess, indem sie die internationale Hilfe bündelt und verstärkt.

Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass die eingeladenen Staaten lediglich mehr Geld versprechen. Aufbauend auf dem Reform- und Entwicklungsplan, den die Palästinenser in Paris vorlegten, sollen Mittel für konkrete Projekte mit sicht- und greifbaren Auswirkungen eingesetzt werden. 

Die “Berliner Konferenz” will die Finanzierung eines konsolidierten, kurzfristig umsetzbaren Maßnahmepakets (“Implementation Package”) sicherstellen.

Zudem soll EUPOL-COPPS kurzfristig um den Bereich Strafjustiz erweitert werden. Mittelfristig geht es um ein umfassendes Engagement im Justizbereich insgesamt. Die EU will die Führung beim Aufbau der Polizei und der Justiz übernehmen.

Staatsminister Erler nach Myanmar aufgebrochen

24.05.2008

Drei Wochen nach dem Wirbelsturm „Nargis“ ist die Lage im myanmarischen Katastrophengebiet weiter dramatisch. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2,4 Millionen Menschen vom Unglück betroffen sind. Nach offiziellen Angaben der Regierung Myanmars kamen durch den Wirbelsturm knapp 80.000 Menschen ums Leben, rund 56.000 würden noch vermisst.  

Um die internationalen Hilfsbemühungen für Myanmar zu beraten, haben die Vereinten Nationen und die ASEAN-Staaatengemeinschaft für Sonntag (25. Mai) zu einer internationalen Geberkonferenz in die myanmarische Hauptstadt Rangun eingeladen. Für die Bundesregierung reist der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, nach Rangun.  

Kurz vor Abflug betonte Erler: “Wir wollen, dass die Hilfsorganisationen dort arbeiten können, wie sie es gewohnt sind”. Bis zur vollen Freizügigkeit sei es aber noch ein langer Weg. Er werde sich nun in Birma selbst über die Arbeitsmöglichkeiten für die Hilfsorganisationen informieren.

Völlig unverständlich sei aber, dass vor der Küste Birmas noch immer Schiffe mit wertvollen Hilfsgütern darauf warten müssten, ihre Ladung an Land zu bringen. Erler betonte, die deutschen Hilfsgüter würden nicht über das Regime, sondern ausschließlich über Hilfsorganisationen verteilt.

An Bord der Bundeswehrmaschine, mit der Erler nach Rangun flog, befanden sich acht Tonnen Hilfsgüter. Nächste Woche ist ein vierter deutscher Hilfsflug nach Rangun geplant, der von Bangkok aus startet.

Versorgung der Zyklon-Opfer durch das Rote Kreuz

Das Rote Kreuz hilft (picture-alliance/ dpa)

Zwei weitere Hilfsflüge geplant

Das Auswärtige Amt unterstützt die Not leidende Bevölkerung in Myanmar mit zwei weiteren Hilfsflügen:

1.  Staatsminister Erler wird seine Reise nutzen, um an Bord eines Airbus der Bundesluftwaffe zusätzlich etwa acht Tonnen Hilfsgüter in das schwer betroffene Land zu bringen. Es handelt sich um medizinische Notfallsets, Großraumzelte, Moskitonetze, eine mobile Wasseraufbereitungsanlage und Wasserreinigungstabletten der deutschen Hilfsorganisationen Deutsche Welthungerhilfe, CARE, Johanniter Unfallhilfe, Malteser International, ASB, Kindernothilfe und arche noVa.

2.  In den nächsten Tagen transportiert die Hilfsorganisation Malteser International im Auftrag des Auswärtigen Amts in einem zusätzlichen Flug aus der thailändischen Hauptstadt Bangkok weitere Hilfsgüter nach Rangun. Mit diesem vierten deutschen Hilfsflug werden zusätzliche mobile Wasseraufbereitungsanlagen, Boote, Medikamente und medizinische Ausstattung nach Rangun geflogen. 

Am 15. und 16. Mai erreichten die ersten beiden deutschen Hilfsflüge Rangun. An Bord waren neben Trinkwasseraufbereitungsanlagen des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes auch medizinische Notfallsets und Medikamente.

Mittlerweile sind die Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Betrieb genommen. THW-Experten schulen die vornehmlich örtlichen Mitarbeiter der Malteser International im Gebrauch der Anlagen. 

Rote Kreuz-Helfer in Bogale

Nach den Verwüstungen (picture-alliance/ dpa)

Positive Signale

Die myanmarische Regierung hatte am 23. Mai anlässlich der Reise des Generalsekretärs der Vereinten Nationen erste positive Signale für einen besseren Zugang in das Katastrophengebiet gegeben. Bisher ist allein internationalem Personal aus den ASEAN-Staaten Zugang zum Katastrophengebiet möglich. 

Deutsche Hilfsorganisationen haben derzeit nur mit lokalen Mitarbeitern und Partnern die Möglichkeit, in dem besonders betroffenen Irrawaddy-Delta zu arbeiten.

Die Bundesregierung stellte deutschen und internationalen Hilfsorganisationen bislang 4 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung, davon 3 Millionen Euro aus Mitteln der Humanitären Hilfe des Auswärtigen Amtes. Weitere Hilfe steht bereit.  

Steinmeier begrüßt Fortschritte im Nahen Osten 

22.05.2008

Beirut, 22. Mai 2008 (picture-alliance/dpa)

In Doha gelingt es der Arabischen Liga, eine Einigung zur Beilegung der Verfassungskrise im Libanon auszuhandeln. Syrien und Israel nehmen nach jahrelangem Stillstand indirekte Gespräche unter türkischer Vermittlung auf. Damit ist in zwei der schwierigsten Konflikte im Nahen Osten Bewegung gekommen, die Hoffnung gibt. Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier begrüßt beide Entwicklungen und bietet deutsche Unterstützung für die nun anstehenden Gespräche an.

Nach einem fünftägigen Verhandlungsmarathon gelang der Arabischen Liga bei ihren Vermittlungsbemühungen zwischen den libanesischen Parteien der Durchbruch: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch einigten sich Regierung und Opposition auf ein Kompromisspaket zur Beilegung der monatelangen Verfassungskrise.

Bundesminister Steinmeier würdigte die Einigung als beachtlichen Erfolg und ein „Hoffnungszeichen für die Bevölkerung des Libanon“. Er sprach dem Emir von Katar und dem katarischen Premierminister seine Anerkennung und seinen Dank für ihre Bemühungen aus. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte Steinmeier heute: „Wir drängen darauf, dass die Vereinbarung jetzt zügig und vollständig umgesetzt wird. Hier sind die verschiedenen Lager innerhalb des Libanon gefordert. Aber auch die Staaten in der Region – allen voran Syrien – müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und sich konstruktiv verhalten. Die Souveränität des Libanon und seiner staatlichen Institutionen darf nicht in Frage stehen!“

Auf den Golan-Höhen (picture-alliance/dpa)

Syrien und Israel verhandeln

Auch in den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Syrien und Israel ist Bewegung gekommen. Gestern bestätigten beide Seiten, dass sie indirekte Gespräche unter türkischer Vermittlung führen. Der Bundesaußenminister ist nicht überrascht: „Bei meinen Gesprächen in Jerusalem und Damaskus habe ich in dieser Frage auf beiden Seiten schon seit längerem eine grundsätzliche Offenheit festgestellt. Beide Parteien haben uns auch gebeten, vertrauensbildende Signale an die andere Seite zu übermitteln, so z.B. bei meinem Damaskus-Besuch im Dezember 2006.“

Dass Syrien und Israel sich nun öffentlich zu indirekten Gesprächen bekennen, nennt Steinmeier ein wichtiges Signal und einen positiven ersten Schritt: „Ich hoffe, dass aus dieser ersten Annäherung ein Gesprächsprozess werden kann. Deutschland steht natürlich weiter bereit, diesen dann auch nach Kräften zu unterstützen“.

Der Bundesaußenminister wirbt schon lange für eine Einbindung Syriens in die Friedensbemühungen: „Eine umfassende und nachhaltige Friedenslösung in Nahost wird es ohne Syrien nicht geben. Dabei habe ich keine Illusionen: Der Weg dahin ist steinig und wird auch künftig viel Energie und beständigen Einsatz erfordern. Was wir jetzt erleben ist nur ein allererster Anfang. Aber wenn sich eine noch so kleine Chance auf einen Ausgleich zwischen Israel und Syrien bietet, müssen wir sie nutzen!“

Generalkonsulat Chengdu: Arbeit im Krisengebiet

22.05.2008

Vor dem Beben (AA/Kassa)

Pfingstmontag, 12. Mai, 14.28 Uhr Ortszeit: 93 Kilometer von Chengdu erschüttert ein starkes Erdbeben den Südwesten Chinas. Im dortigen deutschen Generalkonsulat (GK) wackeln Fußboden und Wände, es wird evakuiert. Seitdem arbeiten die deutschen und einheimischen Mitarbeiter unter schwersten Bedingungen – sie betreuen Deutsche, berichten über die Lage und sind in die deutsche Erdbebenhilfe eingebunden.

Der Pfingstmontag begann für die Bediensteten im Generalkonsulat von Chengdu ein ganz normaler Arbeitstag. Die Büroräume befinden sich im 25. Stock des so genannten “Western Tower”, der sich auch bei früheren, leichteren Beben schon etwas bewegt hatte.

Jetzt war alles anders: das Schwanken wurde immer stärker, das Gebäude gab laute Geräusche von sich. Wie die Empfehlungen für Erdbeben es vorsehen, suchten alle in Türrahmen oder unter schweren Tischen eine erste Zuflucht.

Bald wurde aber klar, dass dies nicht die sicherste Lösung war, es wurde der Einsturz des Gebäudes befürchtet. So flüchtete die gesamte Belegschaft 25 Stockwerke über die Fluchttreppenhäuser nach unten, wo sich schon tausende anderer Menschen befanden. Zum Glück stürzte das Hochhaus nicht ein, aber an eine Rückkehr war – auch wegen der anhaltenden Nachbeben – zunächst nicht zu denken.

(picture-alliance/dpa)

Erste Maßnahmen

Zunächst gingen alle zusammen in die Wohnung der Generalkonsulin, worüber auch das Lagezentrum des Auswärtigen Amts in Berlin informiert wurde. Wer zu Fuß seine Wohnung erreichen konnte, schaute dort nach dem Rechten – zum Glück waren weder Angehörige noch Haustiere zu Schaden gekommen.

Abends durften einige Vertreter des Konsulats auf eigene Gefahr die Räume des Generalkonsulats betreten. So konnten persönliche Gegenstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesammelt, Gerätschaften ausgeschaltet und Sicherheitstüren ordnungsgemäß geschlossen werden. Zwar waren keine größeren Schäden festzustellen, doch wurde das Gebäude nicht zur Nutzung freigegeben.

Am nächsten Tag nahm das GK provisorisch seine Arbeit wieder auf: in den gegenüberliegenden Wohnungen zweier Mitarbeiter. Es wurde versucht, mit den in der Region lebenden Deutschen Kontakt aufzunehmen. Von den chinesischen Behörden gab es bisher keine Hinweise auf deutsche Opfer des Erbebens.

Schwankende Erde

Die Region wurde auch in den Folgetagen weiter von heftigen Nachbeben erschüttert. Die Bediensteten litten unter Schwindel und Kopfschmerzen, ähnlich einer Seekrankheit. Ins Freie rannte bei kleineren Erschütterungen niemand mehr, aber Deckung in Türrahmen oder unter Tischen wurde noch gesucht. Nach der Ankündigung eines schweren Nachbebens verbrachten die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Nacht im Freien. Einige Ortskräfte campieren bereits seit über eine Woche.

Alle haben kleine Notfall-Rucksäcke gepackt – für den Fall, dass es doch noch einmal zu einem ganz schlimmen Beben kommen sollte.

Als die Trinkwasserversorgung Chengdus wegen Verseuchung eines Wasserreservoirs zeitweise abgestellt wurde, kam es zu Panikkäufen. Die Versorgungslage wurde so auch für die Botschaftsmitarbeiter schwieriger.

Schwierige Arbeitsbedingungen

Die Arbeit in den behelfsweisen Büros ist nur sehr eingeschränkt möglich. Der direkte E-Mail-Verkehr mit dem Auswärtigen Amt funktioniert nicht, alle wichtigen Unterlagen befinden sich noch in den Büros. Das Konsulat beschränkt sich auf die Wahrnehmung von krisenbezogenen Kernaufgaben.

So werden keine Visa mehr ausgestellt. Die Antragsteller, die ihre Pässe zur Erteilung eines Visums im GK gelassen hatten, konnten diese auf Wunsch wieder abholen.

Wie geht es weiter?

Der Regionalarzt des Auswärtigen Amts, der seinen Sitz in Peking hat, besuchte die GK-Mitarbeiter und gab ihnen Tipps, wie sie mit der Krisensituation besser umgehen können. Ein Statik-Experte aus Deutschland wird die Wohnungen und die Räumlichkeiten des GK untersuchen. Einige sind strukturell so beeinträchtigt, dass sich das GK bereits auf die Suche nach Ausweichquartieren gemacht hat.

Die Daueranspannung hat auch direkte körperliche und seelische Folgen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Botschafter Michael Schaefer reiste aus Peking an, um sich vor Ort einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Im Gespräch mit den GK-Angehörigen versicherte er, alles für die persönliche Sicherheit der Bediensteten zu tun.

Entschieden wurde, Kollegen aus Peking nach Chengdu abzuordnen. So können den Chengduer Mitarbeitern Ruhephasen außerhalb des Erdbebengebiets ermöglicht werden. Klar ist aber, dass auch die kommenden Wochen noch viel Geduld und Durchhaltevermögen verlangen werden.

Neben der Betreuung der Deutschen vor Ort steht jetzt die humanitäre Hilfe im Vordergrund: das DRK bringt ein mobiles Krankenhaus nach Chengdu, und die GK-Mitarbeiter werden sich – trotz aller Widrigkeiten - um alles Notwendige kümmern.

Immerhin wurde das Bürogebäude des Generalkonsulats heute (22.5.) von den Behörden wieder freigegeben – nur der Lift in den 25. Stock darf noch nicht wieder benutzt werden….

“Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung” vom 9. bis 17. Mai in Chongqing erfolgreich beendet – 10 Millionen Euro Spenden für Erdbebenopfer beim Abschlusskonzert

20.05.2008

Bands auf dem Benefizkonzert

Benefizkonzert
((c) Jiang Ziwei/Goethe-Institut)

Eine Welle der Hilfsbereitschaft löste das Benefizkonzert in Chongqing (China) zugunsten der Erdbebenopfer aus. Spenden in Höhe von rund 10 Millionen Euro kamen am 17. Mai zusammen, eine Million Euro stammten dabei von der Bundesregierung. Das Konzert schloss gleichzeitig die Veranstaltungsreihe von “Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung” in Chongqing ab.

Unter dem Motto „Wir sind eine Familie“ standen Musiker aus Deutschland und China gemeinsam auf der Bühne, darunter das Hohner Akkordeon Ensemble, die Popgruppe „Fools Garden“, der Komponist Robert Zollitsch, das Ensemble für traditionelle chinesische Musik Chongqing und die chinesische Sängerin Gong Linna. Das viereinhalbstündige Konzert wurde vom Chongqinger Lokalfernsehen live übertragen.

„Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ (DuC) ist eine auf drei Jahre angelegte Veranstaltungsreihe, die vom Auswärtigen Amt, dem Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, dem Goethe-Institut und der Initiative „Land der Ideen“ organisiert wird. Die Metropole Chongqing mit 32 Millionen Einwohnern liegt im Südwesten Chinas und ist Nachbarrregion der Provinz Sichuan, die vom Erdbeben besonders betroffen ist.

Scheckübergabe auf dem Benefizkonzert

Scheckübergabe
((c) Jiang Ziwei/ Goethe-Institut)

Spenden und spontane Hilfsbereitschaft

Michael Schaefer, der deutsche Botschafter in China, übergab der stellvertretenden Vorsitzenden des Chinesischen Roten Kreuzes einen Scheck über eine Million Euro. Bereits kurz nach dem Erdbeben hatte die Bundesregierung 500.000 Euro an Soforthilfe geleistet. Die DuC-Partner hatten 100.000 Euro gesammelt, die von Martin Brudermüller, Vertreter des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, übergeben wurden. Weitere 100.000 Euro stellten die Deutschen Handelskammer in China und die vor Ort aktiven deutschen Unternehmen zur Verfügung.

„Deutschland und China sind in diesen Stunden als Freunde wahrlich gemeinsam in Bewegung, nicht nur in Solidarität, sondern viel wichtiger in gemeinsamem Tun,“ sagte Brudermüller. Ein beeindruckender Beweis sei dieses Konzert, das innerhalb kürzester Zeit organisiert wurde. Ein Vertreter der Stadt Düsseldorf als Partnerstadt von Chongqing unterstützte die Erdbebenopfer mit 50.000 Euro. Namhafte deutsche Unternehmen – darunter Siemens, Daimler und BASF – haben Einzelspenden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro geleistet.

Chongqinger Unternehmen, Universitäten, Schulen, Verwaltungsbehörden und die TV-Zuschauer spendeten ebenfalls – insgesamt nannte das Chongqinger Lokalfernsehens ein Spendenaufkommen von 100 Mio Renminbi (ca. 10 Millionen Euro). Mehrere Millionen Chinesen verfolgten das Abschlusskonzert im Fernsehen; auf dem Chaotianmen-Platz drängten sich tausende von Besuchern, weitere zwei- bis dreitausend hatten Hörplätze auf der Rückseite der Bühne.

Menschenmenge vor einem Pavillon

Besucherandrang
((c) Jiang Ziwei/ Goethe Institut)

100.000 Besucher auf der Deutschland-Promenade

Nach Schätzungen der Organisatoren haben etwa 100.000 Menschen „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ vom 9. – 17. Mai in Chongqing besucht. Die Veranstaltungsreihe umfasste Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung unter dem Schwerpunkt „Urbanisierung“ und ist die bisher umfassendste Präsentation Deutschlands im Ausland.

Das ursprünglich geplante Musikprogramm, bei dem mehr als 200 Künstler auftreten sollten, war nach dem Erdbeben abgesagt worden. Stattdessen hatten sich die Organisatoren gemeinsam mit den chinesischen Partnern entschlossen, ein Benefizkonzert zu veranstalten.

Großen Anklang fanden die Pop-Konzerte in den ersten Tagen. Rund tausend Zuschauer verfolgten die Aufführung „Der Kaukasische Kreidekreis“ in seiner ursprünglichen Form als Sichuan-Oper. Auch die Ausstellung “Beginn einer Beziehung” mit Fotos des deutschen Konsuls Fritz Weiß vom Beginn des 20. Jahrhunderts in China wurde begeistert aufgenommen. Aber auch die Konferenzen, zum Beispiel zu den ökologischen Folgen des Drei-Schluchten-Staudamms, fanden ein interessiertes Publikum.