Monthly Archive for August, 2008

EU einig im Kaukasuskonflikt

01.09.2008

Die Europäische Union ist über die Krise im Kaukasus sehr besorgt. Der EU-Sonderrat forderte die Konfliktparteien auf, den Sechs-Punkte-Plan umgehend umzusetzen. Die Beziehungen zu Georgien sollen vertieft, eine internationale Wiederaufbaukonferenz für das ganze Land organisiert werden. Im Verhältnis zu Russland setzt die EU auf Kooperation, bleibt aber zugleich wachsam.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Ergebnisse des Rates: “Sie sind ein eindeutiger Appell, nicht weiter an der Spirale der Eskalation zu drehen.”

Wichtig sei jetzt der Wiederaufbau und die Hilfe für die betroffene Bevölkerung. Weiterhin müsse an der Verstetigung des Waffenstillstandes gearbeitet werden: “Wir brauchen die Arbeit am internationalen Friedensmechanismus.” Und schließlich müsse man mit Russland im Gespräch bleiben.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte die EU ein “Signal der Einigkeit, der Geschlossenheit aus Brüssel”. Sie betonte, man habe “einen hervorragenden Kompromiss gefunden.”

Klares Signal der Unterstützung für Georgien

Die EU beschloss, Georgien beim Wiederaufbau, auch in Südossetien und Abchasien, zu helfen. Die EU stellte zudem Visaerleichterungen und die Einrichtung einer “kompletten und vertieften Freihandelszone” in Aussicht.

In Kürze soll eine internationale Konferenz für den Wiederaufbau in Georgien einberufen werden. Der EU-Gipfel betonte zudem die terroritoriale Integrität Georgiens, er verurteilte mit klaren Worten die russische Anerkennung der georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien. 

Umsetzung des Friedensplans

Die Staats- und Regierungschefs forderten erneut die vollständige Umsetzung des Sechs-Punkte-Plans, der unter Vermittlung der französischen EU-Ratspräsidentschaft ausgehandelt worden war.

Schon jetzt beteiligen sich EU-Mitgliedsstaaten in erheblichem Rahmen an der OSZE-Mission in Georgien. Aber auch die EU wird eine Beobachtermission nach Georgien entsenden. Sie soll die Umsetzung des Friedensplans überwachen. Details sollen die EU-Außenminister am 15. September in Brüssel beschließen. Außerdem will die EU einen “Sonderbeauftragten für die Krise in Georgien” ernennen.

Dialog mit Russland fortsetzen

Der Rat spricht sich – angesichts der gegenseitigen Abhängigkeiten – für eine starke Beziehung zu Russland aus. Diese müsse auf Kooperation, Vertrauen und dem Dialog beruhen, den Rechtsstaat, die Prinzipien der Charta der VN und der OSZE respektieren.

Gleichzeitig spricht die Abschlusserklärung von einem “Scheideweg”, der durch die Krise in Georgien erreicht wurde. Ab sofort sollen daher die verschiedenen Ebenen der EU-Russland-Beziehungen bewertet werden. 

Zu diesem Zweck reisen der französische EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der EU-Beauftragte für Außenpolitik, Javier Solana am 8. September nach Moskau und Tiflis. Dabei sollen sie die Diskussionen mit Russland und Georgien “über eine vollständige Umsetzung des Sechs-Punkte-Plans” fortsetzen. Dies wurde von Steinmeier ausdrücklich begrüßt.

Die nächsten Runden der Verhandlungen über ein Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Russland werden verschoben, “solange der Rückzug der Truppen auf ihre Stellungen vor dem 7. August nicht verwirklicht wurde”.

Krise im südlichen Kaukasus im Fokus des Europäischen Rates

28.08.2008

Die französische EU-Ratspräsidentschaft hat für den 1. September zu einer Sondersitzung des Europäischen Rates nach Brüssel eingeladen. Deutschland wird durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Lage in Georgien, die Hilfe für das Land sowie die Beziehungen der EU zu Russland. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung formuliert der Außenminister seine Erwartungen an den Rat. 

Der Außenminister erinnerte zunächst daran, dass es die Europäische Union mit der Autorität der französischen Präsidentschaft geschafft habe, die Waffen im Konflikt zum Schweigen zu bringen. 

Er nannte zudem drei Botschaften, die vom Sondergipfel ausgehen müssten:

  • Erstens eine klare Haltung zur russischen Anerkennungsentscheidung und die Forderung, dass der Rückzug entsprechend den Vereinbarungen stattfindet.
  • Zweitens muss Europa humanitäre Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau anbieten.
  • Drittens dürfe sich Europa einem Beitrag für die politische Stabilisierung der Region nicht entziehen.

So habe des Kabinett in einem ersten Schritt die Beteiligung deutschen Personals an einer OSZE-Mission in der Konfliktregion beschlossen.

Den vollständigen Text des Interviews finden Sie hier:

Dschibuti – Kampf dem Hunger

19.08.2008

Hilfe für die Schwächsten (Birgit Betzelt/Johanniter-Unfall-Hilfe e.V)

Vom Elend in den Armenvierteln Dschibutis sind in besonderer Weise Kinder betroffen. Das Auswärtige Amt unterstützt ein Projekt der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit rund 54.000 Euro, das unterernährten Kindern mit Nahrungsmitteln hilft.

Hunger in Dschibuti bedeutet für viele Kinder nicht nur, einen leeren Magen zu haben – hier bedeutet Hunger in vielen Fällen den Kampf um Leben und Tod. Fast jedes fünfte Kind im Alter von ein bis vier Jahren in Dschibuti ist unterernährt. In den Armutsvierteln Arhiba und Balbala ist die Kindersterblichkeit durch Unterernährung ein grausames Problem.

Erschwert wird die Situation durch eine Cholera-Epidemie, sehr viele Fälle schwerer Durchfallerkrankungen, eine extreme Dürre und daraus resultierende explodierende Nahrungsmittelpreise.

Arhiba, ein Armenviertel am Rande der Hauptstadt Dschibuti, zählt rund 20.000 Einwohner. Balbala ist ein weiteres Armenviertel der Hauptstadt. Dieses Elendsviertel wächst kontinuierlich weiter und umfasst mittlerweile ein noch ärmeres Gebiet, den so genannten Teil “PK 12″. In Balbala leben etwa 200.000 Menschen, darunter mittlerweile rund 25 Prozent Flüchtlinge aus Somalia. In Balaba ist eines von drei Kindern schwer unterernährt. Der Zustrom an Flüchtlingen aus dem Nachbarland hält kontinuierlich an.

Die Johanniter setzen sich in beiden Armenvierteln gegen Unterernährung und Kindersterblichkeit ein. Sie liefern Nahrungsmittel wie Milchpulver, Zucker, Öl und Hülsenfrüchte, aber auch Nasensonden und Bettlaken für die kleinen Patienten.

In Balbala unterstützt die Hilfsorganisation fünf Ernährungszentren. Diese sind den lokalen Gesundheitsstationen und dem Krankenhaus angegliedert und kümmern sich speziell um Kinder unter fünf Jahren. 

Kind wird gewogen (Birgit Betzelt/Johanniter-Unfall-Hilfe e.V)

Wie läuft die Hilfe ab?

Je nach Schwere der Unterernährung werden die Kleinen zwischen 16 Wochen und 20 Tagen lang mit therapeutischer Zusatznahrung versorgt. Sie kommen dazu in die Ernährungszentren der Armenviertel.

Das Ernährungszentrum in Arhiba versorgt nicht nur dschibutische Mütter mit ihren unterernährten Kindern, sondern auch äthiopische Flüchtlinge, die mit ihren Kindern die Zusatznahrung in Anspruch nehmen.

Bis zum 31. Juli 2008 wurden bereits insgesamt rund 1.500 unterernährte Kinder in den sechs Ernährungszentren mit Zusatznahrung versorgt.

Weitere Hilfsmittel

Die kleinen Patienten haben zudem oftmals eingeschränkte motorische Fähigkeiten; um diese zu verbessern, bekommen sie spezielles Spielzeug. 

Die Familienangehörigen werden zudem in Gesundheits- und Ernährungsthemen geschult. Dies ist notwendig, um eine überlebenswichtige Wissenslücke zu schließen: Nur so können die Eltern erkennen, wann ihr Kind unterernährt ist.

Bundesminister Steinmeier telefoniert mit VN-Generalsekretär Ban Ki Moon

11.08.2008

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat heute nachmittag mit dem VN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Lage in Georgien telefoniert.

Beide waren sich darin einig, dass die Lage in Georgien Anlass zu größter Besorgnis sei. Vorrangiges Ziel müsse es jetzt sein, zu einem Ende der Kampfhandlungen zu kommen und den humanistären Zugang zu der notleidenden Zivilbevölkerung sicherzustellen.

Bundesminister Steinmeier unterrichtete den VN-Generalsekretär über die Bemühungen der Bundesregierung, den politischen Gesprächsfaden zwischen den Regierungen in Moskau und Tiflis wieder zu knüpfen. Diese Bemühungen wurden vom Generalsekretär ausdrücklich gewürdigt.