Monthly Archive for Juli, 2009

Afghanistan: Konflikte bewältigen, Frauenrechte durchsetzen

31.07.2009

Die Teilnehmer vor dem Reichstagsgebäude

Die Teilnehmer vor dem Reichstagsgebäude (Sarah Haupt)

Suraya Parlika hat bereits fünf Regierungswechsel in Afghanistan erlebt. Auch heute, mit 65 Jahren, setzt sie sich mit ihrer Nichtregierungs-Organisation “All Afghan Women Union“ für die Rechte von Frauen ein. Im Juli nahm sie zusammen mit elf weiteren Entscheidungsträgern aus der Provinz Kundus an einem Kurs über Konflikt-Management und den Aufbau transparenter Verwaltungsstrukturen in Berlin teil.

Die Teilnehmer des Lehrgangs kamen aus regionalen Regierungsstellen, lokalen Hilfsorganisationen sowie anderen Einrichtungen, die Konflikte beilegen. Die erworbenen Kenntnisse können direkt in konkrete Projekte integriert werden. 

Suraya Parlika

Suraya Parlika (Sarah Haupt)

Konflikte konstruktiv bewältigen

Gute Regierungsführung und konstruktive Konfliktaustragung sind Schlüssel für den Erfolg des zivilen Wiederaufbaus der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan. Das Projekt vermittelt daher afghanischen Entscheidungsträgern, wie wichtig transparente und effiziente Strukturen sind – und wie man sie aufbaut.

Ziel ist, wichtige Akteure aus Verwaltung und Zivilgesellschaft in die Lage zu versetzen, den Aufbau des Landes mittel- bis langfristig in eigener Verantwortung zu steuern. Organisationen wie die von Suraya Parlika haben dabei eine wichtige Rolle.

Gerade Frauen werden in Afghanistan häufig Opfer von Konflikten, so Suraya Parlika. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen in Afghanistan ein. Für ihr Engagement saß sie in den 1970er Jahren eineinhalb Jahre im Gefängnis. In Anerkennung ihrer Verdienste wurde Suraya Parlika 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Peter Eigen während des Lehrgangs

Peter Eigen (Sarah Haupt)

Neu erworbene Kenntnisse sofort praktisch einsetzen

“Uns ging es vor allem um eine möglichst breite Auswahl von Interessenvertretern der Region und deren jeweiliges Potential, mediative Methoden der Konfliktbewältigung zu implementieren und weiterzutragen”, sagt Projektleiterin Anna Haupt. Neu ist hierbei vor allem die Praxisorientierung und der Ansatz, Vertreter politischer Entscheidungsebenen gemeinsam und gleichberechtigt mit Akteuren der Zivilgesellschaft zu schulen. So sollen Entscheidungsstrukturen gefördert werden, die die Zivilgesellschaft von Beginn an mit berücksichtigen.

Durchgeführt wird das vom Auswärtigen Amt mit 215.000 Euro geförderte Projekt von der Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin. Die von Gesine Schwan mitinitiierte Schule ist Weiterbildungsstätte für zukünftige Führungspersönlichkeiten im Bereich „Good Governance“ – wörtlich: gute Regierungsführung – und politische Plattform zur Entwicklung moderner und nachhaltiger politischer Konzepte.

Die Inhalte des Berliner Lehrgangs trugen sowohl den Besonderheiten der traditionellen Diskurs- und Konfliktlösungsmechanismen als auch den aktuellen Organisationsstrukturen in der afghanischen Gesellschaft Rechnung. Die inhaltliche Konzeption übernahm das Institut für Konfliktmanagement der Europa-Universität Viadrina. Auch die Schweizer Organisation Swisspeace war an der Curriculumsentwicklung intensiv beteiligt.

Schirmherr des Projektes ist unter anderem der Gründer von “Transparency International” Peter Eigen. Gefördert wird das Projekt aus dem “Stabilitätspakt Afghanistan” des Auswärtigen Amts.

Lehren und Lernen: ERI fördert Deutsch-Türkische Lehrerakademie

30.07.2009

Neues Mitglied der Ernst-Reuter-Initiative ist die Deutsch-Türkische Lehrerakademie der Herbert Quandt-Stiftungund der Sabanci-University Istanbul. In diesem Jahr lautet das Motto der Akademie: “Lernen im Global Village – Schulische Erfahrungen aus deutscher und türkischer Perspektive”.

Mehr als 2 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Deutschland und auch die Zahl der Deutschen, die dauerhaft in der Türkei leben, steigt stetig an. Um den daraus entstehenden Anforderungen im Bereich Kultur und Bildung gerecht zu werden, organisiert die Herbert Quandt-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Education Reform Initiative der Sabanci University Istanbul die Deutsch-Türkische Lehrerakademie.

Für eine Woche kommen Lehrerinnen und Lehrer aus beiden Ländern zusammen, um einander kennen zu lernen, zu diskutieren, sich über pädagogische Fragen auseinander­zusetzen – und so Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen und neue Netzwerke zu schaffen. Ziel ist es, interkulturelle Kompetenz aufzubauen und das Wissen über Kulturen, Traditionen und Religionen zu erweitern und zu vertiefen. „Im Umgang mit Schülerinnen und Schülern aus Zuwandererfamilien ist es von großer Bedeutung, Vorurteile und Ängste abzubauen und sich über das eigene Weltbild und das der Schüler im Klaren zu werden“, erklärt eine Teilnehmerin des vergangenen Jahres. „Die Schule ist ein Ort der Begegnung, sie kann viel zur Integration beitragen.“

Diskussionsveranstaltung der Lehrerakademie

Ziel ist auch, dass konkrete Kooperationen wie Schulpartnerschaften oder Programme zum Schüleraustausch entstehen. Das Programm der Akademie wurde gemeinsam von den Verantwortlichen beider Länder ausgearbeitet. Dieses Jahr kommen die Lehrerinnen und Lehrer in Berlin zusammen, unter dem Motto: „Lernen im Global Village – Schulische Erfahrungen aus deutscher und türkischer Perspektive“.

Almanci! – Großer Erfolg beim Theaterfestival in Istanbul

30.07.2009

Berlin und Istanbul feierten das 20-jährige Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft mit einem großen Theaterfestival unter dem Motto “Beyond Belonging – Almanci”. 

20 Jahre Städtepartnerschaft sind ein Grund zum Feiern! Das Jubiläum der Partnerschaft zwischen Berlin und Istanbul bot den feierlichen Rahmen für das Film- und Theaterfestival „Beyond Belonging – Almanci“, das im Juni am Bosporus stattfand. Unter der künstlerischen Leitung der Kuratorin Shermin Langhoff wurden sechs Theaterstücke und rund 40 Filme präsentiert. Unterstützt wurde die Arbeit des Berliner Ballhaus Naunynstraße und des Theaters Hebbel am Ufer dabei unter anderem vom Goethe-Institut Istanbul.

„Almanci“ – so werden in der Türkei die Auswanderer nach Deutschland genannt. Die Beiträge des Festivals erzählen von den Erfahrungen, die Menschen machen, wenn verschiedene Kulturen auf einander treffen. 

Theaterstück "Der Besuch"

Einer der Höhepunkt war die Vorführung des Dokumentarfilms „Wir haben vergessen zurückzukehren“ vom international erfolgreichen Regisseur Fatih Akin. Zum absoluten Publikumsliebling entwickelte sich das Stück „ZEY’BrEaK“, ein Tanztheater, das jahrhundertealte anatolische Rhythmen und Melodien mit modernen Hip-Hop-Beats verbindet. Jenseits von Klischees und mit viel Spielfreude und Einfallsreichtum präsentierte „Beyond Belonging“ die Vielfalt transkultureller Realitäten aus Berlin, in denen  die Türkei stets gegenwärtig ist.

Das Festival, begleitet von einem breiten Medienecho, hat es geschafft, die „Almanci“ in der Türkei in ein neues Licht zu rücken, gängige Vorurteile zu hinterfragen und Klischees zu durchbrechen. Darüber hinaus hat es den Austausch deutscher, deutsch-türkischer und türkischer Künstlerinnen und Künstler weiter vertieft – und ein großes Publikum begeistert.

Afghanistan: Wahlen wichtig für die Festigung der Demokratie

28.07.2009

vlnr: Innenminister Mohammad Hanif Atmar, Bernd Mützelburg, und der deutsche Botschafter Werner Lauk in der Residenz des Botschafters

Gespräch mit Innenminister Mohammad Hanif Atmar (AA)

Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen standen im Mittelpunkt der Gespräche des Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Bernd Mützelburg, in Kabul. Neben Präsident Hamid Karsai traf er auch Präsidentschaftskandidat Mirwais Yasini, Sicherheitsberater Zalmay Rassoul sowie den Innenminister Hanif Atmar.

Afghanistan wählt in wenigen Wochen einen neuen Präsidenten. Botschafter Mützelburg informierte sich in Kabul über den Verlauf der Wahlvorbereitungen und sprach mit Kandidaten und dem Chef der EU-Wahlbeobachtungsmission General Morillon.

Mehr zu den Wahlvorbereitungen erfahren Sie hier: 

Der afghanische Innenminister, Mohammad Hanif Atmar, beim Eintrag ins Gästebuch in der Residenz

Innenminister Atmar trägt sich ins Gästebuch der Residenz ein (AA)

Mit Staatspräsident Karsai sprach Mützelburg über das deutsche Engagement für den Wiederaufbau, die bevorstehenden Wahlen und die Sicherheitslage im Land. Karsai dankte der Bundesregierung für ihre nachhaltige Unterstützung für Afghanistan und hob das besondere Vertrauen hervor, das Deutschland bei den Afghanen genießt. 

Unterstützung für demokratische Wahlen

Mützelburg sagte: „Deutschland misst glaubhaften, allgemeinen, freien und sicheren Wahlen für die Festigung der Demokratie in Afghanistan große Bedeutung bei.“ Er versicherte, dass die Bundesregierung die Stabilisierung und den Wiederaufbau Afghanistans weiter nach Kräften unterstützen werde.

Innenminister Hanif Atmar, für die Polizeikräfte und die innere Ordnung verantwortlich, unterrichtete Mützelburg über die Anstrengungen, die die Polizei in Vorbereitung der Wahlen unternimmt. Ziel sei, möglichst allen Afghaninnen und Afghanen die ungehinderte Teilnahme an der Wahl zu ermöglichen.

Für das Präsidentenamt kandidieren 41 Kandidaten, darunter zwei Frauen. Für die gleichzeitig stattfindenden Provinzratswahlen bewerben sich 3195 Kandidaten, darunter 325 Frauen, auf 420 Sitze. Die breite Öffentlichkeit hat sich bisher sehr am Wahlkampf interessiert gezeigt, die Medien unterstützen dies. 

Mützelburg trifft den Präsidentschaftskandidaten Mirwais Yasini; rechts der deutsche Botschafter Werner Lauk

Gespräch mit Präsidentschaftskandidat Mirwais Yasini (AA)

Mützelburg trifft Präsidentschaftskandidaten

Im Gespräch mit dem Abgeordneten und Präsidentschaftskandidaten Mirwais Yasini erkundigte sich Mützelburg nach den praktischen Erfahrungen des Kandidaten im Wahlkampf. Mirwais bedankte sich für die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft für gleiche Ausgangsbedingungen aller Kandidaten. Die Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Mission spiele dabei eine wichtige Rolle.

Treffen mit den weiteren Kandidaten Abdullah Abdullah, Ashraf Ghani und Shala Atta waren geplant, kamen jedoch aus Termingründen nicht zustande. Im Wahlkampf reisen viele Kandidaten derzeit durchs Land und sind nicht immer in Kabul.

Die internationale Gemeinschaft unterstützt den Wahlprozess, die Verantwortung liegt jedoch erstmals in den Händen der Afghanen.

EU-Beobachtermission in Georgien verlängert

27.07.2009

Vor den Beratungen (picture-alliance/dpa)

Die EU-Außenminister haben Iran aufgerufen, die Menschenrechte zu schützen und unschuldig Verhaftete umgehend freizulassen. Bei ihren Beratungen in Brüssel beschlossen sie außerdem, das Mandat der EU-Beobachtermission in Georgien um ein Jahr zu verlängern.

Schließlich gaben sie der EU-Kommission grünes Licht für Verhandlungen mit den USA zum Austausch von Bankdaten - mit klaren Bedingungen zum Daten- und zum Rechtsschutz.

Für die EU-Außenminister ist inakzeptabel, wie die iranischen Behörden gegen Menschrenrechtsaktivisten und Journalisten vorgehen. Iran hat sich in mehreren Pakten zum Schutz der Menschen- und Bürgerrechte verpflichtet.

Nach Abschluss der Beratungen sagte Staatsminister Günter Gloser, der Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Brüssel vertrat: “Wir rufen die Führung in Teheran mit allem Nachdruck auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen, die Menschenrechte zu schützen und unschuldig Verhaftete umgehend freizulassen.”

Gleichzeitig appellierten die Außenminister an die iranische Führung, im Atomdossier zu kooperieren. Sie unterstrichen die Erwartung der internationalen Gemeinschaft, dass Iran Beweise dafür vorlegt, dass es ein ausschließlich ziviles und friedliches Atomprogramm betreibt. Sie erneuerten das Angebot der sogenannten E3+3, in substanzielle Gespräche über eine umfassende Zusammenarbeit mit Iran einzusteigen.

Hintergrund zum Atomstreit mit dem Iran finden Sie hier:

Europäische Beobachter (dpa/picture-alliance)

Georgien-Mission verlängert

Die Außenminister verlängerten das Mandat der EU-Beobachtermission in Georgien (EUMM). Gloser sagte: “Die exzellente Arbeit der EUMM ist unverzichtbar und auch von allen Seiten als unparteiisch akzeptiert. Ihre Präsenz ist Schlüssel für regionale Sicherheit und Stabilität.”

In ihren Schlussfolgerungen zu Georgien betonten die Außenminister, dass die EU weiterhin auf den Zugang der Mission zu Abchasien und Südossetien drängen wird.

Bankdaten-Austausch mit USA: Verhandlungsmandat mit engen Regeln

Die Außenminister billigten das Verhandlungsmandat für die EU-Kommission zum Bankdaten-Austausch mit den USA.

Hintergrund: Das Unternehmen SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) betreibt ein weltweites Telekommunikations-Netzwerk zum automatisierten Austausch von Zahlungsverkehrsnachrichten zwischen Kreditinstituten. SWIFT will bis Ende 2009 ein neues Datenverarbeitungszentrum in der Schweiz aufbauen. Sollen die US-Behörden auch künftig (wie bislang) auf die dort gespeicherten Daten Zugriff haben, ist hierfür ein neues Abkommen erforderlich. Für Verhandlungen hierüber erteilten die Außenminister der Kommission ein Mandat.

Gloser stellte klar, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den EU-Partnern kokrete Vorgaben im Verhandlungsmandat durchgesetzt hat: “Dazu gehört die Prüfung der Verhältnismäßigkeit und der Erforderlichkeit des Datenaustauschs. Besonders wichtig: Es ist uns gelungen, im Mandat die Gewährleistung von Rechtsschutz festzuschreiben.”

Gloser sagte, dass die EU mit der Zustimmung zum Verhandlungsmandat erst am Beginn des Verhandlungsprozesses mit den USA stehe: “Bevor irgend etwas in Kraft tritt, muss der Rat einstimmig zustimmen. Wir werden einem Abkommen nur zustimmen, wenn die Vorgaben für das Mandat auch erfüllt sind.”

Beitrittsverfahren mit Island eröffnet

Schließlich beschloss der Rat, das Beitrittsverfahren mit Island formell zu eröffnen. Die Außenminister haben deshalb den isländischen Beitritts-Antrag an die EU-Kommission zur Stellungnahme weitergeleitet. Die Bundesregierung begrüßt diesen Schritt ausdrücklich.

Die vollständigen Ratsschlussfolgerungen werden veröffentlicht auf der Webseite des Rates