Monthly Archive for Oktober, 2009

Westerwelle zu Antrittsbesuch in Warschau

31.10.2009

Bundesaußenminister Guido Westerwelle ist bei seinem ersten Antrittsbesuch von seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski herzlich in Warschau empfangen worden. Westerwelle: “Es ist kein Zufall, dass ich heute in Warschau bin. Für mich ist die Freundschaft zwischen unseren Ländern sehr wichtig.” Für Sikorski ist das deutsch-polnische Verhältnis “das beste in der Geschichte”.

Begrüßung durch Staatspräsident Kaczynski

Weimarer Dreieck wiederbeleben

Westerwelle sagte, dass das enge und gewachsene Verhältnis mit Frankreich Vorbild für Deutschland und Polen sei. Die neue Bundesregierung habe deshalb ganz bewusst im Koalitonsvertrag festgehalten, dass sie das Weimarer Dreieck wiederbeleben wolle.

Weimarer Dreieck

Was zunächst nur als jährliches, informelles Gesprächs- und Konsultationsforum der Außenminister – seit 1998 auch der Staats- und Regierungschefs – gedacht war, entwickelte sich zu einem Symbolbegriff für die vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Frankreich, Polen und Deutschland. Neben den Treffen auf höchster Ebene finden im Rahmen des Weimarer Dreiecks Begegnungen von Fachministern, Abgeordneten und Ministerialbeamten statt. Darüber hinaus tragen auch Städte- und Regionenpartnerschaften, Begegnungen zwischen Künstlern und Unternehmern, Jugendwerken und gemeinnützigen Vereinen zum Zusammenwachsen der Zivilgesellschaften in den drei Staaten bei.

Vor dem Gespräch

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Wir wollen, so Westerwelle nach dem Gespräch mit Sikorski, dass sich unsere Völker in Freundschaft verbunden sind und dass sich die Jugend kennenlernt. Als Angehörige derselben Generation wollen er und sein polnischer Amtskollege die Zukunft gemeinsam gestalten. Es wisse, sagte Westerwelle, dass dazu die Kenntnis der Vergangenheit notwendig sei.

“Die deutsch-französische Freundschaft ist in uns drin”

30.10.2009

Bernard Kouchner (re.) und Westerwelle vor einem Globus im französischen Außenministerium

Westerwelle und Kouchner (photothek/Thomas Imo)

Wenn sich Deutschland und Frankreich miteinander abstimmen, ist dies ein wichtiger Beitrag für den europäischen Prozess: : Dies betonten Bundesaußenminister Guido Westerwelle und sein französischer Amtskollegen Bernard Kouchner in Paris. Nach seinem Antrittsbesuch in Den Haag war die französische Hauptstadt der zweite Antrittsbesuch am heutigen Tag.

Westerwelle bezeichnete es als eine “Herzensangelegenheit”, zum Antrittsbesuch nach Frankreich gekommen zu sein. Seine Generation seien glückliche Kinder der deutsch-französischen Freundschaft: “Wir bauen darauf, dass sich die starken deutsch-französischen Beziehungen in Zukunft weiter vertiefen und damit auch zum Wohle von Europa weiter entwickeln.”

Er habe als Rheinländer Frankreich immer schon bewundert und geliebt, so Westerwelle. Sein Besuch sei nicht nur ein politischer Besuch, sondern eine ganz persönliche Freude. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen Bernard Kouchner.

Beide Außenminister vereinbarten enge Konsultationen in allen wichtigen Politikfeldern, mindestens einmal die Woche wolle man zukünftig miteinander telefonieren, so Westerwelle.

Kouchner kündigte an, dass Frankreich den 11. November, also den Tag des Waffenstillstandes nach dem Ersten Weltkriegs, zu einem Tag der französisch-deutschen Freundschaft machen werde. Dies habe Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besprochen, die am 11. November Frankreich besuchen werde.

Aber auch die deutsch-französisch-polnischen Konsultationen im so genannten “Weimarer Dreieck” sollen wiederbelebt werden. Westerwelle und Kouchner sind beide der Überzeugung, dass das Weimarer Dreieck eine gute Einrichtung ist, die nicht nur die gut für die drei Länder, sondern für ganz Europa ist.

Westerwelle und Kouchner im Uhrensaal

Im Uhrensaal (photothek/Thomas Imo)

Zukunft des Lissabon-Vertrages

In den letzten Tagen seien wichtige Fortschritte für den Vertrag von Lissabon erreicht worden. “Der Weg ist jetzt für alle frei, zum Vertrag von Lissabon zu stehen”, betonte der deutsche Außenminister. “Wir setzen gemeinsam auf diesen Vertrag”, sagte er. 

Der Vertrag sei ein Fortschritt für die Entwicklungen in Europa; die Vorteile des Vertrages überwögen alles, was kritisch angemerkt werden möge.

Nach seinem Gespräch mit Kouchner kam Westerwelle zu weiteren Unterredungen mit Premierminister Francois Fillon und Staatspräsident Sarkozy zusammen.

Wahl in Afghanistan

Beide Außenminister sagten, sie nähmen die Entscheidung der afghanischen Wahlkommission zur Kenntnis, Präsident Hamid Karsai zum neuen afghanischen Präsidenten zu erklären. Zuvor hatte der Gegenkandidat Abdullah Abdullah bekannt gegeben, nicht mehr zur Stichwahl anzutreten.

Westerwelle betonte, er gehe davon aus, dass die Entscheidung der Wahlkommission im Einklang mit den Vorgaben der afghanischen Verfassung und des afghanischen Wahlgesetzes getroffen wurde. Beide Außenminister unisono:”Wir erwarten, dass sich Karsai bemüht, die verschiedenen Lager der afghanischen Gesellschaft zusammenzuführen und Präsident aller Afghanen zu sein.”

Das sei ein notwendiges und ernstes Anliegen, über das sie sich ausführlich ausgetauscht hätten. Die Herausforderungen für den neuen Präsidenten seien immens, so Westerwelle: “Wiederaufbau, Sicherheit, Korruptionsbekämpfung. Wir erwarten, dass er sie entschieden angeht.”

Gleichzeitig erklärten beide Außenminister ihrerseits ihren festen Willen zu einer guten Zusammenarbeit, denn beide Länder stünden weiter fest an der Seite des afghanischen Volkes und würden in ihrer Unterstützung für eine bessere Zukunft des Landes nicht nachlassen. Diesem Ziel diene auch die geplante Afghanistan-Konferenz, an deren Vorbereitung sich beide Länder engagiert beteiligen würden. 

Staatspräsident Sarkozy empfängt Westerwelle

Sarkozy empfängt Westerwelle (photothek/Thomas Imo)

Einzigartige Beziehungen

Das deutsch-französische Verhältnis ist eine Erfolgsgeschichte der Aussöhnung. Aus den “Erzfeinden” von einst sind Freunde geworden. Weltweit gibt es wohl kaum zwei Staaten, die enger miteinander verbunden sind.

So fand die Pressekonferenz beider Außenminister im “Uhrensaal” (salle de l’horloge) des französischen Außenministeriums statt: In diesem Saal hatten am 9. Mai 1950 Robert Schuman und Jean Monnet den Grundstein für die europäische Einigung gelegt.

Das Netzwerk deutsch-französischer Institutionen und Strukturen ist einzigartig. Das gilt nicht nur für die Regierungen, die mehrmals im Jahr zusammenkommen. Auch die Menschen beider Länder sind sich nah: Über 2.200 Städtepartnerschaften gibt es dies- und jenseits des Rheins, 4.300 Partnerschaften zwischen Schulen. 7,5 Millionen Jugendliche haben seit der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks an Austauschprogrammen teilgenommen.

Der Tag beginnt in Den Haag

Am Vormittag hatte Bundesaußenminister Westerwelle bereits erste Gespräche mit der niederländischen Regierung geführt. In Den Haag betonte er seinen Respekt für die so genannten kleineren europäischen Partner und sprach sich für Gespräche auf Augenhöhe aus.

Europa bleibt Vorreiter im Klimaschutz

30.10.2009

Westerwelle und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana

Westerwelle und Javier Solana (REGIERUNGonline/Kugler)

Europa geht mit klaren Zielen in die Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Gleichzeitig ermunterten die Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Rat andere Staaten, ebenso ehrgeizig beim Klimaschutz zu sein. Bundesaußenminister Guido Westerwelle führte bei seinem ersten Rat eine vielzahl bilateraler Gespräche. Afghanistan, Pakistan und Iran standen dabei im Mittelpunkt.

Die Vorbereitung auf den Klimagipfel in Kopenhagen, die Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Vertrag von Lissabon waren zentrale Themen des Herbstgipfels der EU.

Schlussfolgerungen des Rates

Westerwelle betonte, “wir als Deutsche können mit diesen Ergebnissen sehr zufrieden sein”. So bleibe Europa Vorreiter beim Klimaschutz, entlasse aber auch andere Teile der Welt nicht aus der Verantwortung.

Zu den Details der Klimaverhandlungen finden Sie hier weitere Informationen:
Milliarden für den Klimaschutz

Westerwelle unterstrich: “Das eine ist, dass wir die Welt ermuntern wollen, auch ehrgeizig beim Thema Klimaschutz zu sein. Das andere ist, dass sich niemand aus der Verantwortung entlassen fühlen darf.”  

Es gehe darum, ein globales Ergebnis für den Klimaschutz zu erreichen. Es mache wenig Sinn, wenn Europa alleine voran gehe, und der Rest der Welt dann keinen Druck mehr spüre, um gemeinsame Ziele beim Klimaschutz zu erreichen.

Westerwelle, Merkel und der französische Staatspräsident Sarkozy

Westerwelle, Merkel und Sarkozy (REGIERUNGonline/Kugler)

Vertrag von Lissabon: Letzte Hürden ausgeräumt

Westerwelle begrüßte, dass auf dem Gipfel der Weg für den Vertrag von Lissabon bereitet wurde: “Das ist gut für Europa, aber auch gut für Deutschland.”

Auf Wunsch der tschechischen Regierung sagte die EU zu, bei der nächsten Vertragsänderung ein zusätzliches Protokoll in den EU-Vertrag aufzunehmen. Darin soll enthalten sein, dass Tschechien die gleichen Ausnahmeregelungen zur EU-Grundrechtecharta erhält, wie sie bereits Großbritannien und Polen zugesagt wurden. 

Afghanische Polizisten beim Abschluss ihres Lehrgangs

Lehrgangsabschluss (picture-alliance/dpa)

EU-Aktionsplan für Afghanistan und Pakistan

Ein wichtiges außenpolitisches Thema wurde in die Schlussfolgerungen aufgenommen: Afghanistan und Pakistan. Der Rat begrüßte den von den Außenministern verabschiedeten Aktionsplan, der eine gemeinsame Strategie für beide Länder entwickelt. 

Westerwelle betonte, es sei wichtig, dass sich der Aktionsplan auf beide Länder beziehe. Nur so sei eine dauerhafte Stabilisierung der Region möglich.

Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen am 7.11. Es sei ganz entscheidend, dass diese Wahlen glaubwürdig und sicher stattfinden, so Westerwelle: ”Wir hoffen, dass möglichst viele Afghanen ihr Wahlrecht nutzen. Wir Europäer werden unseren Beitrag leisten, damit das gelingt.”

Luftaufnahme der Uran-Anreicherungsanlage in Natans, Iran

Anreicherungsanlage Natans (picture-alliance/dpa)

Iranisches Atomdossier im Fokus

Mit einer Erklärung des Rates brachte die EU erneut ihre Sorgen in Bezug auf das iranische Atomprogramm zum Ausdruck. Der Europäische Rat fordert Iran nachdrücklich auf, die Anforderungen der Resolutionen des VN-Sicherheitsrates zu erfüllen und uneingeschränkt mit der IAEO zusammenarbeiten.

Gleichzeitig drückten die Staats- und Regierungschefs ihre Besorgnis angesichts der Menschenrechtslage in Iran und der Verurteilung von Mitarbeitern europäischer Botschaften aus.

Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik

29.10.2009

Bundesaußenminister Guido Westerwelle spricht anlässlich der Amtsübernahme vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amts (29.Oktober 2009)

Außenpolitik aktiv gestalten (photothek/Thomas Imo)

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die Amtsgeschäfte im Auswärtigen Amt übernommen. In seiner ersten Ansprache kündigte der neue Außenminister eine aktive Gestaltung deutscher Außen- und Europapolitik an. Diese gehöre zum wertvollsten Inventar der Bundesrepublik.

Bis zum letzten Platz war der Weltsaal des Auswärtigen Amts gefüllt, in dem die Amtsübergabe traditionell stattfindet. Frank-Walter Steinmeier übergab das Haus am Werderschen Markt an seinen Nachfolger und hieß die neuen Staatsminister Cornelia Pieper und Werner Hoyer willkommen. Mit Steinmeier scheiden auch die Staatsminister Gernot Erler und Günter Gloser aus dem Amt. 

Außenpolitik aktiv gestalten

In seiner Antrittsrede beschwor der neue Bundesaußenminister die Kontinuität erfolgreicher deutscher Außenpolitik. Sie gehöre “zum wertvollsten politischen Inventar unserer Republik”. Am erfolgreichsten sei deutsche Außenpolitik immer dann, wenn sie “Seite an Seite mit unseren Partnern erfolgt”.

Deutschland müsse sich außen- und europapolitische Herausforderungen nicht erst suchen. Sie stellten sich von ganz allein. Aufgabe der Politik sei es, “darauf nicht nur zu reagieren, sondern aktiv zu gestalten.”

So hätte die globale Wirtschafts- und Finanzkrise die Unzulänglichkeit der bestehenden internationalen Regelungssysteme zu Tage gefördert. G8, G20, IWF und andere Gremien müssten dringend reformiert werden. Entsprechende Reformen seien auch nötig, um Herausforderungen wie Klimawandel, globaler Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit oder Nahrungsmittelversorgung gerecht zu werden.

Westerwelle betonte darüber hinaus, dass auch einer strategisch angelegten Außenwirtschaftsförderung wieder stärkeres Gewicht zukommen müsse. Der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik werde auch weiter hohe Bedeutung beigemessen: Sie werde die “Visitenkarte für unser Land in der Welt” bleiben. 

Begrüßung des neuen Außenministers: Guido Westerwelle und Frank-Walter Steinmeier schütteln sich im Weltsaal des Auswärtigen Amts die Hand

Begrüßung des neuen Ministers im Weltsaal (photothek/Thomas Imo)

Bilaterale Beziehungen stärken

Das besondere Augenmerk des neuen Außenministers gilt den bilateralen Beziehungen zu den Nachbarstaaten Deutschlands. Westerwelle betonte, dass das Verhältnis gerade auch zu den östlichen Nachbarn vertieft werden müsse: “Das Projekt, das Walter Scheel und Willy Brandt mit ihrer Ostpolitik 1969 begonnen haben (…) bedarf noch der Vollendung”.

Es seien vor allem die Gesellschaften Deutschlands und seiner östlichen Nachbarn, die noch “zusammenwachsen” müssten. Zwischen Deutschland und Frankreich sei dies gelungen. “Unsere Aufgabe ist es, dass die gleiche Qualität in den Beziehungen zwischen östlichen und westlichen EU-Mitgliedern erreicht wird.” 

Für ein handlungsfähiges Europa 

Aktiv gestalten will Bundesaußenminister Westerwelle auch das Europa von morgen. Deutschland und die EU verfügten mit dem europäischen Einigungsprozess über einen “unvergleichlichen Erfahrungsschatz” für die sich verändernde Welt im Zeitalter der Globalisierung. ”Das europäische Kooperationsmodell (…) ist unser Angebot an die Welt des 21. Jahrhunderts.” 

Westerwelle zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, den “langen und mühsamen” Reformprozess der europäischen Institutionen “bald zu einem erfolgreichen Abschluss” zu bringen. Der Vertrag von Lissabon werde Europa “neue Handlungsfähigkeit” verleihen.

Europa stand denn auch ganz oben auf der außenpolitischen Tagesordnung an diesem ersten Arbeitstag: Im Anschluss an die Amtsübernahme brach Bundesminister Westerwelle nach Brüssel auf, wo er am Europäischen Rat teilnimmt.

Text der Rede von Bundesaußenminister Westerwelle zur Amtseinführung am 29. Oktober 2009

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Wichtige Woche für Europa

27.10.2009

Archiv: Fahnen der tschechischen Republik neben anderen EU-Fahnen

Lissabon-Vertrag möglich machen (picture-alliance/dpa)

Einen Aktionsplan für Afghanistan und Pakistan verabschiedeten die EU-Außenminister auf ihrer Ratstagung in Luxemburg. Daneben stand die Vorbereitung des Europäischen Rates am 29. und 30. Oktober im Mittelpunkt des Treffens.

Drei Themen beherrschen den Europäischen Rat, der Ende der Woche in Brüssel stattfindet: die Vorbereitung auf den Klimagipfel in Kopenhagen, die Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Vertrag von Lissabon.

Die EU-Außenminister bemühten sich bei ihrem Treffen weiter um eine Kompromisslösung, die die Zustimmung Tschechiens zum Vertrag ermöglicht. Die Bundesregierung hofft darauf, dass der Vertrag zügig in Kraft treten kann.  

Afghanische Polizisten beim Abschluss ihres Lehrgangs

Lehrgangsabschluss (picture-alliance/dpa)

EU-Aktionsplan für Afghanistan und Pakistan

Afghanistan war das zentrale Thema bei der Ratstagung der EU-Außenminister. Die Außenminister verabschiedeten einen “Aktionsplan für Afghanistan und Pakistan”. Damit bettet die Europäische Union ihr Afghanistan-Engagement erstmals in eine regionale Strategie ein. ”Der Konflikt in Afghanistan kann nicht gelöst werden, ohne die komplexe Situation in Pakistan einzubeziehen. Pakistan muss Teil der Lösung sein”, heißt es dazu in den Schlussfolgerungen des Rats.

Die neue Strategie spricht die Lage in Afghanistan offen an: Nicht nur die Sicherheitslage sei kritisch. Auch die politischen Reformen und der Aufbau des Staatswesens kämen zu langsam voran. In manchen Landesteilen fände beides gar nicht statt. 

Daher will die EU ihr Afghanistan-Engagement verstärken: Der Aufbau von Polizei und Justiz soll beschleunigt werden. Die europäische Polizeimission EUPOL soll zügig auf die volle Truppenstärke anwachsen. Als Lehre aus den diesjährigen Präsidentschaftswahlen mahnt die EU zudem Verbesserungen beim Wahlsystem an. Ziel der Bemühungen sind eine stabile Regierung, funktionierende Sicherheitskräfte und ein Rechtssystem, das demokratischen Standards entspricht. 

Einig waren sich die Minister über die Bedeutung der anstehenden Stichwahl um das Präsidentenamt. Beim ersten Wahlgang der afghanischen Präsidentschaftswahlen waren zahlreiche Unregelmäßigkeiten aufgetreten. Am 7. November soll ein zweiter Wahlgang über den künftigen Präsidenten entscheiden. Auch diesmal werden Wahlbeobachter der EU den Prozess kritisch begleiten. Deutschland ist bereit, sich an der Wahlbeobachtermission zu beteiligen. 

Eine internationale Konferenz soll Ende 2009/Anfang 2010 den Fahrplan für das weitere Vorgehen der internationalen Gemeinschaft festlegen.

Luftaufnahme der Uran-Anreicherungsanlage in Natans, Iran

Anreicherungsanlage Natans (picture-alliance/dpa)

Iranisches Atomdossier

Die EU-Außenminister zeigten sich weiter besorgt über den Charakter des iranischen Atomprogramms. Erst im September hatte der Iran zugegeben, über eine zweite Anreicherungsanlage zu verfügen. Erstmals erhielten jetzt Inspekteure der IAEO die Möglichkeit, die Anlage zu inpizieren. Ein erster positiver Schritt.

Die iranische Antwort auf den Vorschlag der IAEO, iranisches Uran im Ausland zu Brennelementen weiter verarbeiten zu lassen, steht weiter aus. Das in Natans niedrig angereicherte Uran würde unter einer solchen Vereinbarung zunächst in Russland weiter angereichert und dann in Frankreich zu Brennstäben verarbeitet. Diese würden anschließend in den Iran reimportiert, wo sie in einem Forschungsreaktor zur Produktion medizinischer Isotope verwendet werden sollen.

Die EU hofft auf eine rasche und positive Antwort der iranischen Regierung.

Usbekistan-Sanktionen aufgehoben

Der Rat beschloss darüber hinaus, die Sanktionen gegen Usbekistan auslaufen zu lassen. Die EU hatte 2005 ein Waffenembargo und Einreiseverbote verhängt, nachdem usbekische Truppen Proteste in der Stadt Andijan gewaltsam niedergeschlagen hatten.

Die Außenminister würdigten erste positive Schritte zur Verbesserungen der Menschenrechtslage. So hatte die usbekische Regierung die Todesstrafe abgeschafft, Justizgrundrechte eingeführt und sich zu einem Menschenrechtsdialog mit der EU bereit erklärt. 

Trotzdem bleiben beim Menschenrechtsschutz erhebliche Defizite bestehen. Die Bundesregierung drängt auf weitere Fortschritte. Auch die EU mahnte Verbesserungen an: