23.11.2009

Westerwelle und Netanjahu (photothek/Thomas Imo)
“Alles andere als Routine” nannte Bundesaußenminister Guido Westerwelle seinen Antrittsbesuch im Heiligen Land. In Jerusalem, der ersten Station seiner zweitägigen Nahostreise, kam Westerwelle mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und Außenminister Liebermann zusammen. Westerwelle betonte, Deutschland habe eine “besondere Verantwortung” gegenüber Israel. Die Bundesregierung unterstütze alle Bemühungen, den Nahost-Friedensprozess wiederzubeleben.
Bereits vor Abflug in Berlin sprach sich Westerwelle für eine “gerechte Zwei-Staaten-Lösung” im Nahen Osten aus. Israel habe das Recht auf sichere Grenzen, die Palästinenser das Recht auf einen eigenen Staat. Deutschland bekenne sich zur sogenannten Road Map, die unter anderem vorsieht, dass Israel alle Siedlungsaktivitäten einfriert. Westerwelle: “Das ist nicht nur die Haltung der deutschen Bundesregierung, das ist die Haltung der gesamten Völkergemeinschaft”.
Enge Freundschaft zu Israel
Vom 23. bis 24. November 2009 hielt sich der Bundesaußenminister zum Antrittsbesuch in Israel und den Palästinensischen Gebieten auf. Erste Station der Reise war Jerusalem, wo der Bundesaußenminister nach Ankunft vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu empfangen wurde. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Nahostfriedensprozess, die Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie das iranische Atomprogramm. Westerwelle erteilte einer nuklearen Bewaffnung des Iran eine klare Absage: diese sei für die internationale Völkergemeinschaft in keiner Weise akzeptabel.

Westerwelle und Knobloch in Yad Vashem (photothek/Thomas Imo)
Besuch in Yad Vashem im Gedenken an die Opfer der Shoah
Auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem stand noch am ersten Tag auf dem Programm. Gemeinsam mit Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, ließ der Bundesaußenminister sich durch das Museum der Gedenkstätte auf dem Berg der Erinnerung in Jerusalem führen. Knobloch reiste als Gast des Bundesaußenministers mit nach Israel.
In der “Halle der Erinnerung”, dem Herzstück der Anlage, legte Westerwelle einen Kranz nieder und entfachte das Mahnfeuer zur Erinnerung an die Opfer der Shoah. In den Boden der Halle sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager eingraviert. Unter der Steinplatte vor der Gedenkflamme liegt Asche aus den Konzentrationslagern begraben.
Nach einer Schweigeminute besuchte Westerwelle das Mahnmal für die ermordeten Kinder. Mit den Worten “Wir werden nicht vergessen. Unsere Verantwortung bleibt – unsere Freundschaft wächst” trug er sich in das Gästebuch der Gedenkstätte ein.
Yad Vashem wurde 1953 als Zentrum für Dokumentation, Erforschung, Lehre und Gedenken an den Holcoaust gegründet. Das ausgedehnte Gelände beherbergt Museen, Ausstellungen, Forschungszentren und das weltweit größte Dokumentationsarchiv über den Holocaust. Über die computerisierte Datenbank der “Halle der Namen” sind die Namen und Schicksale der Opfer der Shoah online recherchierbar.
Yad Vashem heißt zu Deutsch “Denkmal und Name” nach Jesaja 56,5: “Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.”
In den ersten Jahrzehnten nach seiner Gründung unterhielt Yad Vashem keine Beziehungen zu Deutschland. Erst in den 1990er Jahren gelang es, eine Zusammenarbeit an verschiedenen Projekten zu etablieren. So unterstützt das Auswärtige Amt seit 1999 ein Archivprojekt mit 5,9 Millionen Euro, das Dokumente zur Verfolgung des jüdischen Volkes im Dritten Reich identifiziert und verfilmt.

“Wir werden nicht vergessen” (photothek/Thomas Imo)
Deutsch-Israelische Regierungskonsultationen
Am Abend kam Bundesaußenminister Westerwelle mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Liebermann zusammen. Die Gespräche in Israel dienten auch der Vorbereitung der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen, die Anfang 2010 in Berlin stattfinden.
2008 feierte Israel das 60. Jubiläum seiner Staatsgründung. Aus diesem Anlass hielten Deutschland und Israel am 17. März 2008 in Jerusalem erstmals Regierungskonsultationen ab. Es waren die ersten Regierungskonsultationen der Bundesrepublik mit einem nicht-europäischen Land. Bundeskanzlerin Merkel und der damalige israelische Premierminister Olmert beschlossen, die Beziehungen beider Länder auszubauen. Besonders die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation sollten gestärkt werden. Auch wolle man die zwischengesellschaftlichen Bindungen und den Jugendaustausch fördern.
Seither haben die beiden Außenministerien Deutschlands und Israels ihre Zusammenarbeit ausgebaut:
- So konnte noch im Jahr 2008 das Deutsch-Israelische Zukunftsforum seine Arbeit aufnehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, junge Menschen beider Länder über gemeinsame Projekte miteinander zu vernetzen.
- In Haifa und Jerusalem wurden Zentren für Deutschland-Studien eingerichtet.
- Deutschland veranstaltete zur Feier des 60. Jubiläums der Staatsgründung Israels erstmals Kulturwochen.
- Das Auswärtige Amt und das israelische Außenministerium veranstalteten im Sommer 2008 eine gemeinsame Sommerakademie für die angehenden Diplomaten beider Länder.