Monthly Archive for Februar, 2010

Breite Mehrheit für neues Afghanistan-Mandat

26.02.2010

Deutscher Feldjäger bildet afghanische Soldaten aus

Militärausbildung in Afghanistan (picture alliance / dpa)

Der Deutsche Bundestag hat mit breiter Mehrheit die Fortsetzung der Beteiligung der Bundeswehr am Nato-geführten Afghanistan-Einsatz beschlossen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte das Mandat als neues Kapitel in der Afghanistan-Politik. Zugleich verurteilte er die jüngsten Anschläge in Kabul aufs Schärfste.

Mit der Neuausrichtung wird eine Abzugsperspektive für die deutschen Soldatinnen und Soldaten geschaffen. Mehr Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften stärkt die selbsttragende Sicherheit, mehr ziviler Aufbau hilft der afghanischen Bevölkerung.

Ziel des neuen Mandats ist es, in absehbarer Zeit die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan vollständig an die afghanische Regierung übergeben zu können. Dazu wird insbesondere die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte verstärkt: Von den bis zu 5.350 eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sollen künftig 1.400 in Ausbildungsmaßnahmen eingesetzt werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle betonte, es gehe darum, “dass wir Ende des Jahres soweit sind, dass die ersten regionalen Übergaben der Verantwortung auf die afghanische Seite erfolgen können”. Ende 2011 solle die Situation so sein, dass zum ersten Mal das deutsche Kontingent reduziert werden könne. “Und im Jahr 2014 – so unser Plan, so unser Konzept – wollen wir dann die Verantwortungsübergabe, wie es Präsident Karsai auch angekündigt hat, an ihn vollständig unterstützen”, so der Bundesaußenminister.

Westerwelle im SWR-Interview, 26. Februar 2010

Bereits in der ersten Lesung des neuen Mandats hatte Westerwelle unterstrichen, es handele sich um eine realistische Perspektive, “auf die wir hinarbeiten wollen und werden. Aber es ist kein konkretes Abzugsdatum. Ein solches zu nennen, wäre eine Ermutigung der Terroristen, also ein Fehler.”

Rede von Bundesminister Westerwelle vor dem Deutschen Bundestag, 10. Februar 2010

Beschlüsse der Londoner Konferenz umsetzen

Mit dem neuen Mandat werden auch die wegweisenden Beschlüsse der Londoner Afghanistan-Konferenz von Ende Januar 2010 in die Tat umgesetzt.

Dabei geht es auch um die innere Aussöhnung Afghanistans: Mit einem “Ausbildungs- und Beschäftigungspaket” sollen diejenigen eine Perspektive bekommen, “die meist weder lesen noch schreiben können, die für ein paar Dollar bereit sind, zur Waffe zu greifen”, wie es Westerwelle schon in London formuliert hatte. Diesen Mitläufern soll eine friedliche Alternativen des Broterwerbs in ihren Dörfern eröffnet werden. Dazu stellt Deutschland jährlich bis zu 10 Millionen Euro für einen Reintegrationsfonds zur Verfügung.

Die Bundesregierung wird zudem ihre Anstrengungen für den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau im Norden verstärken. Sie hat sich dafür konkrete, nachprüfbare Ziele gesetzt:

  • bis 2013 sollen drei Millionen Afghaninnen und Afghanen Arbeit und Einkommen haben,
  • in allen vier Provinzen, die im deutschen Verantwortungsbereich liegen, werden Krankenhäuser aufgebaut und besser ausgestattet.
  • zusätzliche 700 Kilometer ganzjährig nutzbare Straßen sollen ländliche Gebiete erschließen und sie mit den Städten und Märkten ihrer Distrikte verbinden,
  • mehr Lehrerinnen und Lehrer werden ausgebildet und Schulen gebaut, damit weitere 500.000 Kinder unterrichtet werden können.

Insgesamt will die Bundesregierung die zivilen Mittel für Afghanistan auf 430 Millionen Euro jährlich verdoppeln.

Polizeiausbildung in Afghanistan

Polizeiausbildung in Afghanistan (picture-alliance/dpa)

Selbsttragende Sicherheit schaffen

Klar ist: Selbsttragende Sicherheitsstrukturen sind die Voraussetzung für eine Abzugsperspektive für deutsche Soldatinnen und Soldaten. Darum wird in Zukunft deutlich mehr für die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte getan.
So hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren jährlich rund 5000 afghanische Polizisten aus- und fortzubilden. Dafür soll die Zahl der Polizeitrainer auf insgesamt 260 erhöht werden. 

Auch beim militärischen Engagement soll der Schwerpunkt noch stärker auf die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte gelegt werden. Erreicht wird dies vor allem durch eine Umschichtung im bestehenden Kontingent. Das Mandat wird um 500 weitere Soldaten aufgestockt, aber die Ausbildungs- und Schutzkomponente auf 1400 Männer und Frauen vergrößert.

Ergänzend wird eine flexible Reserve von 350 weiteren Soldaten geschaffen. Damit soll sichergestellt werden, auch in Sondersituationen angemessen reagieren zu können. Schon jetzt ist absehbar, dass während der Wahlen im September für einen vorübergehenden Zeitpunkt mehr Kräfte Sicherungsaufgaben übernehmen müssen.

Hommage an die deutsche Sprache

26.02.2010

Westerwelle im Gespräch mit Künstlern im Radialsystem

Westerwelle im Gespräch mit Künstlern im Radialsystem (Photothek/Trutschel)

Mit der Kampagne “Deutsch – Sprache der Ideen” wollen das Auswärtige Amt und seine Partnerorganisationen jungen Menschen weltweit Lust machen, Deutsch zu lernen. Am 25. Februar startete Bundesaußenminister Westerwelle die Kampagne mit einer Kunstveranstaltung im Berliner Radialsystem.

In seiner Begrüßungsrede erinnerte Westerwelle daran, dass bereits mehr als vierzehn Millionen Menschen in der Welt Deutsch lernen. “Keine andere Sprache ist in Europa für mehr Menschen Muttersprache”, so der Minister. Ziel der Anstrengung müsse es aber sein, noch mehr Menschen in der Welt für die deutsche Sprache zu begeistern.

Deutsch – Sprache der Jugend

Mehrsprachigkeit sei der Schlüssel zu einer europäischen Identität, die die gewachsene Vielfalt des Kontinents achte. Westerwelle: “Deutsch als Sprache im Herzen Europas ist ein wichtiger Teil dieser Identität”. In Osteuropa sei Deutsch eine Sprache der Jugend. So lernten in Polen über 2,3 Millionen Menschen Deutsch. Doch nicht nur in Europa, sondern gerade auch in den schnell wachsenden Volkswirtschaften Asiens seien “das Potential und das Interesse an Deutsch und an einem Studium in Deutschland enorm.”

Intellektuelle Freiheit fördern

Der Minister betonte, die vielen Vorteile der deutschen Sprache: Sie sei das Tor zu einem wirtschaftlich attraktiven Markt und zum starken Netz der deutschen Wirtschaft in der Welt. Sie sei der “Schlüssel zu einem der besten Ausbildungssysteme der Welt” und eröffne die Chance auf eine Karriere in mehr als 350 Hochschulen, von denen einige Weltruf genössen. Schließlich öffne sie den Weg zur deutschen Literatur, Musik, Philosphie und Wissenschaft.

Westerwelle stellte die Förderung der deutschen Sprache ausdrücklich auch in den Kontext der werte- und interessengeleiteten Außenpolitik. Mit seiner Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, in die das Auswärtige Amt etwa ein Viertel seines Jahreshaushalts investiere, vermittele Deutschland seine freiheitlichen Werte unmittelbar:

Wer für Rechtsstaatlichkeit eintritt, eröffnet Freiräume für Menschen. Ideen, die man in einem Goethe-Institut frei diskutiert, sind Ideen, für die man zwei Häuser weiter ins Gefängnis geworfen werden kann. Die intellektuelle Freiheit zu fördern, ist ein Auftrag, den Deutschland erfüllen will und dem ich mich persönlich verpflichtet fühle.

Westerwelle dankte allen Partnern, die zur Kampagne beitragen: das Goethe-Institut, der Deutsche-Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, der Pädagogische Austauschdienst, das Institut für Auslandsbeziehungen und die Deutsche Welle.

Grenzgänger der Sprache

Am Auftaktabend im Radialsystem, der in Kooperation mit den Berliner Festspielen stattfand, nahmen Künstler wie die Schriftsteller Péter Esterhazy und Yoko Tawada, die Gruppe “Die Maulwerker” und die Rapperin und Slam-Poetin Nina ‘Fiva’ Sonnenberg teil. Sie gestalteten den Abend als Grenzgänger der Sprache, die in mehreren Kulturen zuhause sind.

Die einzelnen Initiativen im Rahmen der Kampagne “Deutsch – Sprache der Ideen” werden sich über das ganze Jahr 2010 erstrecken. Sie umfassen weltweit Sprachkurse und Bildungsmessen, die Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amts mit einem Netz von weltweit fast 1.500 Schulen, Universitätspartnerschaften und Stipendien.

Verlängerung ISAF-Mandat

Der Bundestag hat das Mandat für den ISAF-Einsatz in Afghanistan verlängert. Renate Künast dazu: "Wir schätzen und respektieren die Arbeit der Entwicklungshelfer, der internationalen Organisationen, der Polizisten und der Soldaten; denn die setzen dort ihr Leben ein. Wir haben die Bereitschaft ernsthaft an Konzepten zu arbeiten, mit denen man das umsetzen kann. Aber diesem Ma...

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Ausländischen Diplomaten Türen öffnen

25.02.2010

Staatssekretär Born mit Teilnehmern am zweiten "International Diplomats Programme" in Berlin (24.02.2010)

Staatssekretär Born mit Teilnehmern (Achim Hatzius)

Zum zweiten Mal ermöglicht das Auswärtige Amt in Berlin stationierten Diplomaten, Deutschland von einer anderen Seite kennenzulernen: Durch ein eigenes Netzwerk, das sie ein Jahr lang mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammenbringt. Staatssekretär Wolf-Ruthart Born eröffnete in Berlin das zweite “International Diplomats Programme”. 

Die Gruppe des zweiten Programm-Jahrgangs ist bunt gemischt: Die zwölf Teilnehmer kommen aus den Botschaften Israels, Ägyptens, Iraks, Libyens, Marokkos, Tunesiens, Singapurs, Kuweits, Pakistans, Indiens, Myanmars, und der Philippinen. Gemeinsam bietet ihnen das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit der BMW Stiftung Herbert Quandt und der DGAP (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik) die Möglichkeit, verschiedenste Aspekte des Deutschland von heute kennenzulernen und sich ein Kontaktnetz zu Entscheidungsträgern aufzubauen.

Informationsbesuche, Gespräche mit Experten sowie Kulturereignisse verschaffen den Diplomaten Einblicke, die über den Botschaftsalltag hinausgehen. Auf dem Programm stehen unter anderem die Themen “Föderales System”, “Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik”, “Integration” und “Klimawandel”.

Das Programm wirkt aber nicht nur nach Deutschland hinein. Auch untereinander lernen sich die Teilnehmer besser kennen – jenseits der bilateralen Beziehungen ihrer Länder.

Staatssekretär Born eröffnet das zweite "Internationale Diplomats Programme" im Auswärtigen Amt (24.2.2010)

“Freunde gewinnen” (Achim Hatzius)

Freunde gewinnen

Das “International Diplomats Programme” ist nur eines von sechzehn Fortbildungsprogrammen der Internationalen Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amts. Bereits 1992 hatte der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher die Ausbildung mittel- und osteuropäischer Diplomaten ins Leben gerufen. Heute decken die Fortbildungsprogramme fast die ganze Welt ab. Ein beeindruckendes Netzwerk ist entstanden.

“Wir wollen Freunde gewinnen – Freunde für Deutschland”, so fasste Staatssekretär Born das Ziel der Internationalen Diplomatenausbildung zusammen. Das Auswärtige Amt wolle vermitteln, wie Deutschland “funktioniert” und dass deutsche Außenpolitik dem weltweiten Frieden verpflichtet ist. Dabei gelte es Erfolgsmodelle darzustellen aber auch Defizite und Schwächen nicht zu verbergen.

Jedes Jahr nehmen 250 bis 300 ausländische Nachwuchsdiplomaten an den Fortbildungsprogrammen des Auswärtigen Amts teil. 1.500 Ehemalige aus 132 Ländern umfasst das Netzwerk, das daraus entstanden ist, inzwischen. In einigen Außenministerien – insbesondere in Mittel- und Osteuropa – haben zwischen zehn und zwanzig Prozent der Diplomaten an den internationalen Programmen der Akademie Auswärtiger Dienst teilgenommen. Derzeit befinden sich 102 Ehemalige auf “Posten in Berlin”, davon mehrere als Botschafter. 

Lust auf Deutsch machen

24.02.2010

Fünf Deutsch-Wagen besuchen Schulen in ganz Polen

Fünf Deutsch-Wagen besuchen Schulen in ganz Polen (AA/ Goethe-Institut)

Mit der Kampagne “Deutsch – Sprache der Ideen” will Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Verbreitung der deutschen Sprache im Ausland fördern. Staatsministerin Pieper stellte die Kampagne im Auswärtigen Amt vor. Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache in Europa.

Fast 15 Millionen Menschen sprechen und lernen Deutsch als Fremdsprache. Allerdings ist die Zahl der Deutschlerner in den letzten Jahren zurückgegangen. Pieper nannte diesen Trend ein “alarmierendes Zeichen”, dem die Bundesregierung entgegentreten wolle. Denn Sprache sei eine Grundlage für den Aufbau guter Beziehungen zwischen Staaten.

Die Etablierung von Deutsch als Fremdsprache hänge entscheidend davon ab, so Pieper, dass es gelinge, Mehrsprachigkeit als wertvolle Grundlage kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung zu verankern. Auch auf europäischer Ebene müsse die Initiative hierzu ergriffen werden. Sprachprojekte seien “Generationenprojekte” und bedürften langfristiger Investitionen. Um Sprachpolitik auch künftig offensiv gestalten zu können, müsse die finanzielle Ausstattung der Sprachförderung langfristig gesichert werden.

“Deutsch – Sprache der Ideen” soll weltweit Lust machen, Deutsch zu erlernen. Der Titel der Initiative knüpft an die erfolgreiche Kampagne “Deutschland – Land der Ideen” an, die begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland geworben hatte. Mit Projekten und Veranstaltungszyklen auf der ganzen Welt wollen das Auswärtige Amt und seine Partner für die deutsche Sprache werben.

Deutsch – die meistgesprochene Muttersprache Europas

Über 100 Millionen Menschen haben Deutsch als Muttersprache. In Europa wird keine Muttersprache häufiger gesprochen. Als Fremdsprache wird Deutsch vor allem über die Schulen vermittelt: Allein 12,8 Millionen Schüler lernen außerhalb der Bundesrepublik Deutsch.

Regional sind die meisten Deutsch-Lerner in Polen zu finden (2,35 Millionen), gefolgt von Russland (2,3 Millionen) und Frankreich (1,2 Millionen).

Staatsministerin Cornelia Pieper und Joachim Lauer bei der Präsentation von "Deutsch - Sprache der Ideen" (24.2.2010)

Pieper, Lauer (AA)

Ohne die verschiedenen Mittlerorganisationen der Auswärtigen Kulturpolitik wäre die Kampagne “Deutsch – Sprache der Ideen” nicht denkbar. Wichtiges Instrument ist auch ein weltweites Netzwerk an “Partnerschulen”, das Zugang zur deutschen Sprache und Bildung ermöglichen und Interesse am Deutschland von heute wecken soll. Umfasste das Netzwerk vor zwei Jahren noch 500 Schulen, so ist es heute auf stolze 1.420 angewachsen.  

Pieper betonte, dass der Einsatz für die deutsche Sprache auch immer Werbung für den Wissenschafts- und Hochschulstandort Deutschland sei. Daher bemühe sich “Deutsch – Sprache der Ideen” gerade auch in Ländern, in denen bereits viele Menschen Deutsch lernen, um Sichtbarkeit. So touren beispielsweise fünf “Deutsch-Wagen” durch Polen, die bei polnischen Lehrern, Eltern, Schülern und Studenten für die deutsche Sprache werben. 

Auch in der Europäischen Union will sich die Staatsministerin für die deutsche Sprache einsetzen und eine Stärkung des Deutschen bei den zentralen Brüsseler Institutionen erreichen.